Illegales Autorennen in Moers Mutmaßlicher Autoraser stellt sich der Polizei

Kerzen und Blumen stehen an der Stelle, an der eine unbeteiligte Frau bei einem mutmaßlichen Autorennen verletzt worden und später gestorben ist.

(Foto: dpa)
  • Zwei mutmaßliche Raser sollen sich Ostermontag in PS-starken Autos in der niederrheinischen Stadt Moers ein illegales Autorennen geliefert haben.
  • Dabei kam eine unbeteiligte 43-Jährige ums Leben. Beide Raser flüchteten.
  • Einer der beiden wurde schon verhört, der andere war flüchtig. Ihn suchte die Staatsanwaltschaft, der Tatvorwurf lautet auf Mord. Nun hat sich der 21-Jährige gestellt.

Nach dem tödlichen Verkehrsunfall einer unbeteiligten Frau durch ein mutmaßliches Autorennen hat sich der gesuchte Tatverdächtige gestellt. Der 21-Jährige solle am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden, teilten die Ermittler am Dienstag mit. Er wurde als Tatverdächtiger mit Haftbefehl gesucht, der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Mord. Sie hatte am Tag zuvor seinen Namen und Fotos des Mannes veröffentlicht. Der Unfall war am Ostermontag in Moers passiert. Wo er sich in der Zwischenzeit aufhielt und ob er bereits Angaben zu dem Unfall machte, wurde zunächst nicht bekannt.

Zwei im Fokus der Ermittlung stehende Raser in PS-starken Autos sollen sich auf einer zweispurigen Straße ein Rennen geliefert haben. Einer der beiden soll dabei Zeugenaussagen zufolge versucht haben, seinen Kontrahenten zu überholen und dazu auf die Gegenspur gefahren sein. "Der Täter hat den Tod eines anderen Menschen in Kauf genommen", sagte Sebastian Noé, der bei der Moerser Staatsanwaltschaft für Kapitaldelikte zuständig ist. Noé sagte der Neuen Ruhr Zeitung außerdem, dass der gesuchte 21-Jährige keinen Führerschein besitze. Er sei bereits "strafrechtlich in Erscheinung getreten", weitere Angaben über die Straftaten gab es zunächst nicht.

Vor Gericht Mordurteil gegen Ku'Damm-Raser bestätigt
Berliner Landgericht

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Im Februar 2016 stirbt ein Unbeteiligter infolge eines Autorennens in der Berliner Innenstadt. Die beiden Raser sind nun zum zweiten Mal wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der BGH hatte das erste Urteil aufgehoben.

"Der Unfallwagen ist zugelassen auf seinen Vater. Wir ermitteln deshalb auch gegen den Vater wegen Zulassens des vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis", sagte Staatsanwalt Noé. Nach dem Unfall waren die beiden Halter der Fahrzeuge, die an dem mutmaßlichen Rennen beteiligt gewesen sein sollen, vorläufig festgenommen worden - bis klar wurde, dass sie "wahrscheinlich" nicht die Fahrer waren.

Auf einer Kreuzung kollidierte der 21-Jährige am Ostermontag mit seinem Mercedes mit dem Kleinwagen der 43-jährigen Frau. Sie starb drei Tage nach dem Unfall im Krankenhaus. Die beiden Tatverdächtigen flüchteten vom Unfallort. Der nun Gesuchte habe seinen Wagen zurückgelassen und sei zu Fuß davongehumpelt, berichtet die Bild. Der Mann im zweiten Auto sei einfach weitergefahren.

Dieser sei bereits vernommen worden, teilte Staatsanwalt Noé mit. Der Verdächtige habe "die Fahrereigenschaft nicht eingeräumt". Um den Tatvorwurf gegen ihn rechtlich einordnen zu können, müsse weiter ermittelt werden, darum sei gegen ihn auch noch kein Haftbefehl beantragt worden. Bei ihm könnte aber der neue Raser-Paragraf 315d im Strafgesetzbuch Anwendung finden. Damit können Teilnehmer eines illegalen Autorennens seit Oktober 2017 härter bestraft werden. Wird durch ein "verbotenes Kraftfahrzeugrennen" der Tod eines anderen Menschen verursacht, können seither bis zu zehn Jahre Gefängnis verhängt werden. Die Staatsanwaltschaft hat laut Noé derzeit keine Erkenntnisse, dass sich die beiden Fahrer vor dem Rennen kannten.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul sagte der Neuen Ruhr Zeitung: "Die Straßen Nordrhein-Westfalens sind keine Rennstrecken und sollten keine Schauplätze für Selbstinszenierung sein. Hier gelten Regeln und Rücksicht." Wer das nicht respektiere, dem müssten Konsequenzen aufgezeigt werden.

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