Modern Talking Das Geheimnis der Cheri Cheri Lady

Und eigentlich ging es bei den Studioeinsätzen des "Jenseits von Eden"-Sängers ohnehin nie um Anders' Part: De Angelo, bestätigt dessen Management entsprechende Gerüchte, sang den von Bohlen. Abgesehen davon, dass de Angelo einen hübschen Einblick in die Branche gewährte: Wenn es mit der eigenen Karriere mal nicht so läuft, kann man sich wenigstens bei Dieter Bohlen noch ein paar Euro nebenher verdienen.

Gegen den richte sich auch das eigentliche Prüfverfahren der GVL, so deren Geschäftsführer Gerlach. Man gehe der Frage nach, ob an den "Pop-Titan" (Bild) von der GVL womöglich zu viel überwiesen wurde. Auslöser für die Untersuchung waren bislang unwidersprochene Äußerungen des Bohlen in inniger Feindschaft verbundenen Produzentenkollegen Frank Farian. In seinem Buch "Stupid dieser Bohlen" zählt Farian diverse Sänger auf, die angeblich für Modern Talking tätig waren - in der Liste taucht Anders auf. Wer aber fehlt, ist der stets als Falsett-Zweitstimme des Duos aufgetretene Bohlen.

Farian gegen den Pop-Titan

Ihm schreibt Farian, der als Erfinder der Fake-Popgruppe Milli Vanilli und einst geheime männliche Stimme von Boney M. selbst über Erfahrungen im Vortäuschen falscher musikalischer Tatsachen verfügt, zudem einen viel geringeren Anteil an dessen Produktionen zu, als bisher bekannt: Bohlen lasse einen ganzen Mitarbeiterstab für sich die Studioarbeit erledigen.

Nun wird bei der GVL untersucht, welche Rolle der bei ihr unter anderem als Produzent, Musiker und Co-Sänger von Modern Talking geführte Bohlen tatsächlich hatte. Es geht dabei um die Frage, ob Bohlen überhöhte Zahlungen kassiert hat, die eigentlich andere Beteiligte hätten beantragen können, so Geschäftsführer Tilo Gerlach. Der Fall Anders ist im Gegensatz dazu abgeschlossenen, er muss von der GVL keine Rückforderungen erwarten.

Und während Dieter Bohlen sich zu alldem nicht äußern mag, sagte Thomas Anders am Freitag der SZ, ihn habe die Aufregung ohnehin verwundert. De Angelo habe sich bei ihm längst entschuldigt, seine Aussagen seien falsch interpretiert worden.

Bei der Aufklärung um die Rolle seines Exkollegen Bohlen indes kann Anders nicht behilflich sein: "Ich war ja zuletzt wirklich nur noch einen Tag pro Album im Studio, was mir damals als Professionalität ausgelegt wurde - keine Ahnung, was Dieter Bohlen den Rest der Zeit dort gemacht hat."