Kolumne „Mitten in …“Was für ein Käse!

Lesezeit: 2 Min.

(Foto: Marc Herold)

Ein SZ-Volontär lernt in Tokio eine Französin kennen, die eigentlich alles toll findet in Japan. Nur eine Sache stinkt ihr.  Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in … Tokio

Kurz nach Mitternacht in Shinjuku, dem neonbunten Ausgehquartier von Tokio. Die U-Bahnen fahren erst um 5 Uhr wieder, und wer jetzt nicht daheim ist, der vertreibt sich die Zeit in Clubs. Aus einem solchen stolpert man bald heraus. Die Begleitung dringt darauf, eine Kippe aufzutreiben. Fündig wird man bei Julia, einer Französin, die seit einem Dreivierteljahr in Japan lebt. Eigentlich, sagt sie, rauche sie nicht. Gut ausgerüstet ist sie trotzdem. Und so kommt man ins Gespräch: Sie erzählt, dass sie die Sprachschule besucht, um in Japan arbeiten zu können. Und dass alles so toll ist hier, „außer, na ja … der Käse“. Sie habe sich in ihrer Verzweiflung schon angelesen, wie man selbst Käse herstellen kann, aber dann davon abgesehen, denn „das stinkt so“. Doch Rettung naht: Ihr Vater komme sie bald besuchen, mit Käse im Gepäck. Wenn da mal nicht der Zoll die Nase rümpft. Max Fluder

(Foto: Marc Herold)

Mitten in … München

Im Radio rieten sie am Morgen: weniger aufs Handy starren, mehr den Menschen zuhören. Also auf dem langweiligen Weg zur U-Bahn Ohren auf! Sitzen da drei junge Leute am Gehsteigrand im Schneidersitz auf dem sonnengewärmten Pflaster. In ihrer Mitte, ebenfalls im Schneidersitz, ein älterer Mann mit grauem Pferdeschwanz, Typ Antik-Hippie. Der redet auf die Jugend ein, spricht von Wiedergeburt als Mensch, Tier. Hat er Tier gesagt? Ich höre es im Vorbeischlendern. Das wisse man doch aus dem „Channeling“, sagt der Graukopf-Guru da, so lässig, als sei es sonnenklar, dass Menschen ihre Ohren auch im Jenseits haben. Die jungen Zuhörer wirken gebannt, alle Blicke auf den Redner gerichtet. Der schärft ihnen noch ein, und da muss ich doch lachen, „sich nie im Leben von jemandem hypnotisieren zu lassen“. Christiane Schlötzer

(Foto: Marc Herold)

Mitten in … Lissabon

Die Deutschen haben kein Problem mit dem Tod, mit Mord und Totschlag, sie lieben ja Krimis. Gern auch mit trockenem Humor („Der Tatortreiniger“). In der Realität aber hält man sich an Pietät, die dezente Ästhetik deutscher Bestattungsunternehmen: Blumenkranz und graue Gardinen. Knalliger geht es in Lissabon zu. An der Brücke über den Tejo wirbt ein schwarz-gelbes Plakat großflächig mit dem Satz „Wir säubern Orte des Todes“, dazu die Silhouette eines brutal Dahingeschiedenen und der Titel des Unternehmens: deathclean.com. Die Webseite verrät ohne Umschweife, welcher Realitäten des menschlichen Ablebens man sich annimmt, dazu gehört an erster Stelle Mord. Stolz heißt es in Anspielung auf die durch die Krimi-Serie bekannte amerikanische Spurensicherung: „Wir sind das CSI der Säuberung.“ Die Fiktion hilft, die Realität zu verdauen. Aurelie von Blazekovic

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