SZ-Kolumne "Mitten in ...":Bananen mit Sonnenbrand

Lesezeit: 2 min

In Tansania lernt eine SZ-Redakteurin ein paar Brocken Suaheli - genug, um Lästereien über europäische Touristen zu verstehen. Berechtigte Lästereien. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Dole

(Illustration: Marc Herold) (Foto: N/A)

Wer als Reisender nach Tansania kommt, lernt schnell ein paar Wörter Suaheli. "Jambo" (Hallo), "Hakuna Matata" (kein Problem / keine Sorge) und "pole pole" (langsam) scheinen Einheimische für die wichtigsten Urlaubsvokabeln zu halten. Bald hören wir auch immer wieder "Mzungu", die Kinder im Meer sagen es, als sie uns sehen, der Guide in Arusha erzählt, es gebe eine "Mzungu-Bar" in der Stadt. Wir erfahren: Mzungu, das sind wir, die Weißen. Tage später, auf Sansibar, führt uns ein junger Tansanier durch eine Gewürzfarm und erklärt uns, wogegen die Kräuter helfen. Die meisten machen angeblich fruchtbar oder heilen Krebs. Dann zeigt er auf eine besondere Staude und erklärt, das seien Mzungu-Bananen. Seltsam, denkt man, die Bananen sind doch dunkelrot und nicht weiß. Da sagt er zwinkernd: "So seht ihr aus, wenn ihr in die Sonne geht." Veronika Wulf

Mitten in ... Washington

(Illustration: Marc Herold) (Foto: N/A)

Es ist ein paar Jahrzehnte her, dass ich mich zuletzt beim Kauf von alkoholischen Getränken ausweisen musste. Nun ist es wieder so weit, USA halt. Supermarkt Whole Foods, Washington. "Kann ich Ihre ID sehen?", fragt der Kassierer. Habe ich nicht dabei. Ob er meine, dass ich 17 sei? Das habe er nicht gesagt, erwidert er. Ob er auch von Präsident Biden die ID verlangen würde? Würde er, antwortet der Kassenmann und stellt die drei Flaschen Bier aus meinem Einkaufswagen sicher. Ich gehe mit meinem Gemüse nach Hause. Drei Tage später, wieder Whole Foods. Vor mir ein älteres Paar, beide um die 75, sie stellen eine Flasche Wein aufs Band. Der Kassierer: "Ihre ID, bitte." Eine Woche später erwischt es den Chef. Nicht Joe Biden, aber den Vorgesetzten aus Deutschland, der zu Besuch ist. Er darf nicht in den Biergarten an der 14th Street. Seine ID? Liegt im Hotel. Peter Burghardt

Mitten in ... München

(Illustration: Marc Herold) (Foto: N/A)

Eine Grünanlage in Pasing, Spielplatz, Schlittenberg, Hundewiese. Drei Buben, acht, neun Jahre alt, graben am Rand eines Kieswegs, professionell ausgerüstet mit Hacken und Schaufeln in Kindergröße. Schon haben sie einen schmalen Randstein teilweise freigelegt, den sie gebührend bewundern. "Heilige Guacamole!", ruft einer. "Das ist ja wirklich aus den Achtzigern!" Die Avocadocreme, die im schön gereimten englischen Original "Holy Guacamole" einen vulgäreren Begriff ersetzt, ist ein Ausdruck größten Erstaunens. Und klar, ein Stein aus einem anderen Jahrtausend! Die Jungs, die sich eifrig in tiefere Schichten der Münchner Historie vorarbeiten, sind bestimmt etwas ganz Großem auf der Spur. Man selbst, geboren in den Sechzigern, geht schmunzelnd vorbei und fühlt sich ein ganz bisschen alt. Wie hieß das noch, damals? Heiliger Bimbam! Ingrid Hügenell

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