Kolumne „Mitten in ...“Ein Fenchel ist kein Kohlrabi

Lesezeit: 2 Min.

Illustration: Marc Herold

Im Stammsupermarkt einer SZ-Assistentin in München sitzt neuerdings junges Gemüse an der Kasse – das sich mit dem Gemüsesortiment allerdings nicht besonders gut auskennt. Drei Anekdoten aus aller Welt.

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Mitten in … München

Generationswechsel im Supermarkt: Die Azubis werden unter Anleitung der alteingesessenen Belegschaft an der Kasse eingelernt. Die jungen Leute sind nett, höflich, voller Elan, haben die Kassenfunktionen so schnell kapiert, dass sie bald allein gelassen werden können, und sehen – im Gegensatz zur erschöpften Kundschaft beim Wocheneinkauf – alle durchweg instatauglich aus. Man schaut beim Anstehen voller Bewunderung ins perfekt geschminkte Gesicht der jungen Kassiererin, bis das umweltfreundlich unverpackte Gemüse bei ihr anrollt. Sie überlegt kurz, was sie eintippen soll, kommt aber nicht drum herum zu fragen, was denn da vor ihr auf dem Band liegt. Man unterdrückt ein Grinsen und antwortet im besten „Sendung mit der Maus“-Tonfall: Das ist ein Weißkohl, das da Fenchel und die dunklen Bommeln heißen Rote Bete. Katalin Molnár

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Hollern

Noch nie was von Hollern gehört? Macht nichts. Hollern, Teil der Gemeinde Eching im Landkreis Freising, ist im Wesentlichen ein Pferdehof: Gut Hollern mit einer Herde struwweliger Galloway-Rinder und jeder Menge frei laufender Hühner. „Wir fressen am liebsten Gras“, lassen die Besitzer vorsorglich die zahlreichen tierliebenden Zaungäste anhand von Schildern an der Umrandung wissen. Hollern: Dazu gehört auch eine Blockhütte, in der man die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, falls Bedarf besteht, aus Automaten oder frei zugänglich erwerben kann – gegen Bargeld, mit Kartenzahlung oder Paypal. Was aber, wenn man just in dem Moment weder Bargeld noch Plastikgeld bei sich hat? In Hollern auf dem Bauernhof kein Problem. Die Lösung steht auf einem Schild am Eingang: „Bitcoin willkommen!“ Kein Scherz, es funktioniert. Rudi Kanamüller

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Byumba

1000 Kilometer sind beim Race around Ruanda zu bewältigen, die Hälfte davon auf Stein- und Lehmpisten, dazu 18 000 Höhenmeter. Überall an der Strecke kommen Kinder angelaufen, rufen „Mzungu“, „Weißer“. Doch hier, nicht weit von der Grenze zu Uganda, an einem steilen Anstieg, machen sich die Kinder einen Spaß daraus, aus den Trikottaschen Riegel und Sonnencremes zu klauen, auch ein iPhone wird beinahe entwendet. Als die Veranstalter darauf hingewiesen werden, gibt es eine kleine Überreaktion: Die Polizei schwärmt aus, schließlich setzt das Land mit dem Slogan „Visit Ruanda“ sehr auf den Tourismus. Fortan klingelt immer wieder das Telefon in der Trikottasche, der Polizeichef will eine Zeugenvernehmung durchführen. Aber einerseits war doch alles halb so wild, und andererseits will man sich im Rennen jetzt wirklich nicht aus dem Tritt bringen lassen. Georg Ismar

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