bedeckt München

SZ-Kolumne "Mitten in...":Eine Badehose und ihre Tücken

Ein deutscher Tourist spaziert durch Ipanema, und plötzlich ist sein Handy weg. Hatte die besorgte Verwandtschaft daheim also recht mit ihren Prophezeiungen? Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Rio de Janeiro

Illustration: Marc Herold

Erinnerung an die Zeit knapp vor Corona, eine federleichte Zeit, auch in Brasilien. Drei Monate Praktikum in Rio de Janeiro gemacht, zum Abschluss kommt Besuch aus der Heimat. Nie war man in all den Wochen Opfer von Kriminalität geworden, all den Prophezeiungen der besorgten Verwandtschaft und der alarmierenden Online-Ratgeber zum Trotz. Dann aber: Der Besuch spaziert durch Ipanema, alleine, danach ist das Handy weg. Ein Jammer wegen der Urlaubsfotos, aber auch ein Jammer, weil man nun den Stimmen der Angst recht geben muss. Ohne große Hoffnung rufen wir das verschwundene Handy trotzdem an. Eine Frau nimmt ab. Sie hat es auf der Straße gefunden und mit zu ihrer Schicht im Restaurant genommen. Eine halbe Stunde später hat der Besuch sein Handy wieder. Es muss ihm einfach aus der Badehosentasche gerutscht sein. Aurelie von Blazekovic

Mitten in ... München

Illustration: Marc Herold

Man sollte meinen, mittlerweile hätten alle mitbekommen, dass gerade viele Menschen in eiskaltem Wasser baden. Offenbar nicht. Zumindest nicht die zwei Halbstarken, die in einem Park im Münchner Osten mit ihren Handys Fotos von einem älteren Mann machen, der mit nacktem Oberkörper aus dem See steigt. "Alter, der ist verrückt! Poste mal, poste mal!", kichert einer der beiden. Womit sie allerdings nicht gerechnet haben dürften: dass der Mann einen Bodyguard dabeihat. (Wer sich mit Eisbaden auskennt, weiß: Nie allein!) Eine etwa 75-jährige Dame mit Fellmütze erhebt sich von einer Bank und baut sich vor den Jungs auf: "Fremde Leute fotografiert man nicht, schon gar keine nackten. Hat man euch das nicht beigebracht? Kamera her, ich mach ein Foto für euer Familienalbum. Dann sehen alle, wie blöd ihr aus der Wäsche schaut!" Sara Peschke

Mitten in ... Brüssel

Illustration: Marc Herold

Sobald der Winter endet, fahren Eiscremewagen durch die Brüsseler Viertel, und damit man sie kommen hört, spielen sie Musik. Süße, altmodische Musik. Auch in Etterbeek war der vertraute gelbe Van mit den Eis essenden Eisbären drauf kürzlich wieder unterwegs. Doch dann erreichte uns die traurige Nachricht: Das Wirtschaftsministerium will verbieten, dass die Betreiber ihre Routen fahren, weil das nicht mit den Corona-Auflagen vereinbar sei. An einem Standort zu bleiben (und für diesen Gebühr zu zahlen), ist hingegen regelkonform. Die Eisverkäufer sagen, es sei doch viel sicherer, wenn die Menschen in ihrer "Haushaltsblase" einzeln zum Wagen in ihrer Nähe kommen, anstatt irgendwo mit Fremden eine lange Schlange zu bilden. Hoffentlich gewinnen sie den Streit - das Eis und vor allem die Musik in der eigenen Straße würden sonst sehr fehlen! Nadja Schlüter

© SZ/nas
Zur SZ-Startseite
FILE PHOTO: Children walk at the Adama train station of Oromia region during a media guided tour of the Ethio-Djibouti Railways route in Adama, Ethiopia

SZ PlusChinesische Zuglinie in Afrika
:15 Stunden im Nirgendwo

China gibt Milliarden für Infrastrukturprojekte in Afrika aus. Was dabei herauskommt, kann man auf einer Zugfahrt von Dschibuti nach Addis Abeba erleben. Unterwegs mit chinesischen Lokführern, äthiopischen Passagieren und sehr viel Khat.

Von Bernd Dörries

Lesen Sie mehr zum Thema