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SZ-Kolumne "Mitten in ... ":Schöner entrümpeln

Der neue London-Korrespondent der SZ mistet vor seinem Umzug aus und stellt dabei fest, dass er an Deutschland vor allem eines vermissen wird: den Wertstoffhof. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Pöcking

Illustration: Marc Herold

Neulich am Wertstoffhof Pöcking, einem echten Geheimtipp für Wertstoffhoffreunde. Eine Frau mit Klemmbrett und Warnweste spricht mit einem Mann, oh-oh: Der hat bestimmt was falsch gemacht, "Holz außen" zu "Holz innen" geworfen, und jetzt nehmen sie seine Personalien auf. Dann kommt die Frau herüber, Mist, Schatz, du hast doch das Metall zu Metall geworfen? Hallo, sagt die Frau, Kundenbefragung, auf einer Skala von 1 bis 10: Wie zufrieden sind Sie mit unserem Angebot? Ähm, ... 8? Wie bewerten Sie die Kompetenz der Mitarbeiter? Mal sehen ... 9! Die Freundlichkeit des Personals, die Sauberkeit des Geländes (10, 10), und haben Sie noch eine Anregung? Ja, montags könnte noch geöffnet sein. Danke, notiere ich, flötet die Frau. Wie gesagt, ein Geheimtipp: Nirgends sonst bekommt man solch ein Gefühl dafür, wie gut es Deutschland wirklich geht. Michael Neudecker

Mitten in ... Pian San Giacomo

Illustration: Marc Herold

Ein Rastplatz in Graubünden, auf dem Weg nach Italien. Der San-Bernardino-Pass liegt nicht weit zurück, Wasserfälle sprudeln, der Blick hinunter ins Misox-Tal ist grandios, und neben dem Parkplatz steht einer braun gebrannt in seinem Stand und verkauft Kaffee und Schweizer Schokolade. Er wechselt sofort vom Italienischen ins Deutsche. Er liebe Fremdsprachen, erzählt er: Deutsch, Französisch, Englisch, am liebsten spreche er Russisch. Ob hier viele Russen vorbeikämen? Na ja, sagt er. Meistens stehe er alleine herum und habe gar niemanden zum Reden. Er wohne in einer Berghütte, morgens radle er zum Einkaufen hinunter ins Dorf und danach wieder hinauf, so vergingen die Tage. Als man weiterfahren will, klopft es ans Autofenster: Da steht der Verkäufer, etwas verlegen, und sagt Danke. Und überreicht eine Tafel Schokolade. Jakob Wetzel

Mitten in ... Hermosa Beach

Illustration: Marc Herold

Es hat kürzlich zweimal nacheinander heftig gerumpelt in Hermosa Beach, Los Angeles County, Kalifornien. Die Richterskala zeigte erst einen Wert von 3,5 an und nur acht Stunden später dann 3,0, auch nicht viel weniger. Erdbeben sind ein Indikator, wie californicated die Einwohner hier sind. "Zuagroaste" (in Kalifornien sagt man: "You flew here") dürfen bis zu einem Jahr ihre Angst öffentlich zeigen; dann, so die ungeschriebenen Regeln, sollen sie gefälligst mehr Angst vor Regen haben (es gibt pro Jahr zehnmal so viele Beben- wie Regentage), weil das aufgrund der Fähigkeiten der kalifornischen Autofahrer wirklich gefährlich sei. Als Eingeborener ("I grew here") gilt man, wenn man so eine Geschichte erzählen kann wie der Nachbar. Er sei beim Beben auf der Toilette gesessen, und sein erster Gedanke sei gewesen: Ich werde künftig weniger Bohnen essen. Jürgen Schmieder

© SZ/nas
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