Mitten in … Paris
Paris, Champs-Élysées, Spaziergang mit einer Bekannten. Sie hat einen kleinen schwarzen Pudel, Ludek, er gehorcht aufs Wort. Wir beschließen spontan, ins Grand Palais zu gehen, zwei Ausstellungen gibt es da derzeit zu sehen: Nan Goldin und Matisse. Wir stellen uns in die Schlange vor der Kasse, kommt einer der Wärter auf uns zu, in welche Ausstellung wir denn wollten? Wir: Matisse. Er: Der Hund darf da nicht rein. Keine Hunde im Museum. Wir schauen uns enttäuscht an. Der Wärter, sichtlich um eine einvernehmliche Lösung bemüht: Falls es ein Blindenhund wäre, dann dürfe man ihn mitnehmen. Blinde also dürfen sich die Matisse-Ausstellung mit Blindenhund ansehen – falls sie denn sehen könnten. Ob die Ausnahmeregelung wohl auch für Nan Goldin gelten würde? Tut sie. In ganz Frankreich haben Blindenhunde Zutritt in Museen. Lars Reichardt

Mitten in … Frankfurt
Die Reise mit der Bahn von Stuttgart nach Thüringen geht schon gut los: Erst steht in der App „Verspätung“, kurz darauf „Verbindung ist nicht mehr fahrbar“. Statt via Augsburg geht’s nun über Frankfurt. Ein Umstieg mehr, eine Stunde länger – die Laune entsprechend. Doch dann: eine Durchsage, die das Herz erfreut, zumindest, wenn man ein Herz für Dialekte hat. „Herzlisch willkomme an die neu zugeschtiechene Fahrgäst’ … Bei Fraachen stehe isch und meine Kollesche zur Verfüschung.“ Kurze Zeit später: Ticketkontrolle, eine gute Gelegenheit, um sich für die Worte zu bedanken. Doch man hat offenbar den falschen Mann erwischt. Der Zugbegleiter mit dem eleganten, weißen Bart wehrt indigniert ab: „NEIN!!! Ich spreche Offenbacherisch – das war Frankfurterisch.“ Zwei Städte, direkt nebeneinander. Doch dazwischen liegen offensichtlich Welten. Michaela Pelz

Mitten in … Augsburg
Die internationalen Studierenden kämpfen sich durch den Grammatikdschungel der deutschen Sprache. Dativ, Akkusativ. Hinter der Stirn von Shi Yan aus Taiwan türmen sich sichtbar viele Fragen. Aber nicht zum dritten und vierten Fall, sondern zu den vielen Feiertagen im Sommersemester. Wie erklärt man den Nichtchristen in der Klasse in einfacher Sprache Pfingsten? Flugs drei Kreise auf die Tafel gemalt. Gott – Jesus – Heiliger Geist. Kleine Flammen fallen auf ein Strichmännchen. Der Heilige Geist kommt über die Jünger. Plötzlich ein verzweifelter Aufschrei von Shi Yan, was er machen solle, wenn an Pfingsten der Geist zu ihm komme? Geister spielen in Asien im täglichen Leben oft noch eine große Rolle. Die Lehrerin verkneift sich schmunzelnd die Antwort, dass für ihn ein deutscher Grammatik-Geist sicher sehr hilfreich wäre. Susanne Perras
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