Süddeutsche Zeitung

SZ-Kolumne "Mitten in ...":Oh, wie anarchisch ist Panama

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Eine SZ-Redakteurin wagt sich mit dem Mietwagen auf die Panamericana. Verkehrsregeln scheinen dort keine zu gelten - halt, bis auf eine einzige. Doch zu spät! Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... San Carlos

Von Panama City aus geht es mit dem Leihwagen auf der Panamericana, immer am Pazifik entlang, Richtung Santiago de Veraguas. In dem kleinen Land zwischen Mittel- und Südamerika herrscht Rechtsverkehr, keine große Umstellung also. Wenn diese Autofahrer auf der Route 1 sich nur nicht so eigenartig verhalten würden. Die Regel, nur von links zu überholen, scheint hier niemand zu kennen. Alle wechseln je nach Laune die Spur, jederzeit kann ein Überraschungsangriff von beiden Seiten erfolgen. Es ist dermaßen irritierend und riskant obendrein - ein Rätsel, dass die Polizei am Straßenrand nicht eingreift. Stattdessen winkt sie nach 100 gefahrenen Kilometern uns hinaus, die sich keiner Schuld bewusst sind. Das Vergehen: zu schnell, in ganz Panama herrscht ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde! Immerhin, eine Regel. Eine weitere, erfahren wir bei der Gelegenheit: In Panama, ja in ganz Amerika, darf man von beiden Seiten überholen. Violetta Simon

Mitten in ... Plougoumelen

Lange hat man sich seuchenbedingt nicht gesehen, also muss der Besuch aus Deutschland auf den neuesten Stand gebracht werden: Im Nachbarort hat ein Restaurant aufgemacht, die Soundso-Straße ist gesperrt. Und die Pariser machen alle hier Home-Office, Schulterzucken, Pariser erträgt man in der Bretagne stoisch. Aber dann, der Hammer: Die örtliche Keksfabrik ist bei den Einheimischen in Ungnade gefallen! Warum? Stellt euch mal vor: "Die tun weniger Butter in die Kekse!" Weniger Butter! In einer Gegend, in der Butter mehrere Regalmeter im Supermarkt füllt und in der urlaubende Bäcker per Aushang so gewissenhaft über ihre Vertretung informieren wie in Deutschland nur Hausärzte, ist das ein Sakrileg. Zum Glück gibt es in der Bretagne etwa so viele Keksfabriken wie neuerdings Pariser im Home-Office. Ersatz ist schon gefunden, ein Glück. Noch einen Keks? Annette Zoch

Mitten in ... Venedig

Insekten in Bernstein sind auf der Leinwand an uns vorbeigezogen, Schwarz-Weiß-Aufnahmen einer Arktisexpedition, wir haben Fantasiehäuser unter Blätterdach entstehen sehen, unterlegt von Vogelstimmen, die mit elektronischer Musik verschmelzen, kurz: Der Festival-Abend läuft schon eine Weile. Als Nächstes auf dem Programm: "Perfumed Nightmare", ein philippinischer Spielfilm von 1978, Dauer 93 Minuten. Man überlegt gerade, ob es womöglich Zeit für eine Pause ist, da geht es auch schon los. Und "Perfumed Nightmare" ist eine echte Entdeckung. Auch, was die Besetzung angeht. Die Stimme kennt man doch. Die, die den Amerikaner synchronisiert, mit bayerischem Akzent, warum auch immer. Ist das nicht...? Abspann. Doch, er ist es: Gerhard Polt. In einem philippinischen Spielfilm von 1978, in der Lagune von Venedig. Warum auch nicht. Elisa Britzelmeier

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