Kolumne „Mitten in …“Guten Tag, wie kann ich Ihnen nicht helfen?

Lesezeit: 2 Min.

Marc Herold

Eine SZ-Autorin kämpft an einer Packstation mit einer klemmenden Tür. Bestimmt kann die Hotline helfen. Doch dann nimmt eine gewisse Jana den Anruf entgegen. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in … München

Ein Münchner Discounter-Parkplatz. Die Tür der Packstation macht „klack“, öffnet sich aber nicht. Mit einer anderen Frau in der Schlange ist man schnell ein Team. Die Frau versucht mit ihrer Nagelfeile, die Tür zu knacken. Vergebens: Das Behelfswerkzeug geht kaputt, die Tür bleibt zu, die Hausschlüssel helfen auch nicht. Also doch den Kundenservice anrufen, oder besser: Jana, den KI-basierten Voicebot der DHL. Jana versteht das Problem nicht, weigert sich aber, den Anruf weiterzuleiten. Die Nervosität steigt, die Lautstärke auch, entsetzt muss man feststellen, dass man mit einer KI herumdiskutiert. Plötzlich landet man doch in der Warteschleife, noch ein bisschen Geduld, dann hört man eine menschliche Stimme. Erleichterung! Doch genau in diesem Moment stirbt der Handy-Akku den Kältetod. Mit dem Vertrauen in die Zukunft war es das für heute. Francesca Polistina

Marc Herold

Mitten in ... Memmingen

Im Regionalzug von Lindau nach München. Auf halber Strecke stöhnen die Fahrgäste auf. Die vielen blauen Punkte in der Entfernung, inklusive Blaulicht, lassen Böses ahnen. Und so kommt es dann auch: Hunderte Sechz’ger-Fans steigen in Memmingen zu. Eine Gruppe besonders durstiger Männer nimmt das Abteil in Beschlag und unterhält sich quer durch den Waggon. Sie haben auch eine große Musikbox dabei, die sie auf Rollen hinter sich herziehen. Erstaunlich textsicher grölen sie mit. Ein Lied hat es den Fans besonders angetan. Ein Fan patscht im Takt gegen das Fenster, bis die Scheibe bebt. Irgendwann lässt der Fensterklatscher nach, etwas Ruhe kehrt ein. Seine etwa acht Jahre alte Tochter umschließt fest seine großen Hände. Als ein anderer mit rotem Gesicht die Szene sieht, strahlt er: „Jungs, so stell’ ich mir das Vatersein vor!“ Annabell Burkhardt

Marc Herold

Mitten in ... Minneapolis

Sechs Uhr abends in Minneapolis, kein Mensch auf der Straße. Warum? Nun, es hat gerade minus 30 Grad, offiziell, in Böen ist es noch viel kälter. Außerdem sind an diesem Feierabend im Januar noch die maskierten Jäger von ICE in der Stadt unterwegs. ICE und Eis, das ist zu viel. Einheimische bewegen sich hier sowieso nahezu ausschließlich in ihren Autos oder den ebenfalls geheizten Gängen zwischen den Gebäuden von Downtown. Diese Stadt ist oberirdisch durch ein System von Skyways verbunden, verglaste Fußgängerbrücken führen von Gebäude zu Gebäude. Allerdings muss man anscheinend in Minneapolis geboren sein, um sich in dem Labyrinth zurechtzufinden. Also wieder die Skihandschuhe anziehen, die Rolltreppe runter und raus in die Polarnacht, zwei Blocks noch bis zum Italiener, schön warm dort drinnen. Peter Burghardt

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Von Ulrike Nimz

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