SZ-Kolumne "Mitten in ...":Humba testeräääää!

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Nach mehr als zwei Jahren Pandemie hält eine SZ-Redakteurin jedes Zelt automatisch für ein Testzelt. Wenn sie sich da mal nicht täuscht. Drei Anekdoten aus Deutschland und Europa.

Mitten in ... Niederndorf

Illustration: Marc Herold (Foto: N/A)

Samstagmittag in Tirol, das Kaisergebirge tut sich vor einem auf. Ach, und schau, da drüben, auf der Wiese vor dem Schwimmbad: ein großes Zelt. "Sicher mit gemütlichen Bierbänken!", sagt der faule Hintern. "Und Hendln!", sagt der Bauch. "Und Bier!", sagt der Durst. "Und Blasmusik!", sagt das Herz. "So ein Schmarrn", sagt das Hirn, der alte Spielverderber. "Was soll das schon sein in diesen Zeiten: eine Corona-Teststation!" Zumal das Zelt weiß ist, und zu sehen, hören und riechen gibt es auch nichts. Wäre auch zu schön gewesen. Trollt man sich also weiter. Als man abends wieder daran vorbeiradelt, leuchtet das Zelt von innen. Musik bläst einem entgegen, Lachen und Masskrug-Klirren schallen herüber. Das Test-Zelt, es ist ein Fest-Zelt! Alle werfen dem Hirn einen genervten Blick zu. Zur Strafe muss es draußen bleiben. Violetta Simon

Mitten in ... Ahrenshoop

Illustration: Marc Herold (Foto: N/A)

Die Ostsee in der Vorsaison. Ruhig und friedlich liegt sie da, sogar die Sonne spielt mit und lächelt scheu. Gepflegte Herrschaften rentnern durch den kleinen Küstenort Ahrenshoop, auf der Suche nach Lokalen, die den Winterschlaf satthaben. Gedränge gibt's nur am Himmel, dort aber umso eindrucksvoller: Über der sandstrandverwöhnten Boddenlandschaft verdunkeln in regelmäßigen Abständen riesige Schwärme das lichte Blau. Dutzende, ach was, Hunderte Vögel müssen das sein. Hitchcock hätte gewiss seine Freude daran. Die freundliche Bedienung im Fischlokal am Hafen weiß Bescheid. "Hören Sie mir mit den Biestern auf!" Morgens um vier sei die Ruhe dahin, erzählt sie, dann beginnen die Kraniche mit ihrem krähend-schrillen Gesang. Auf dem Feld nebenan, tagein, tagaus. Ein Vorbote für die Hochsaison? Gut möglich. Bernhard Blöchl

Mitten in ... München

Illustration: Marc Herold (Foto: N/A)

Mittagspause im Home-Office, kurzer Spaziergang am Hachinger Bach entlang. Schmetterlinge, Sonnenstrahlen, Vogelgezwitscher, ich genieße das ganze Paket des Frühlings, als plötzlich ein blonder Junge seinen Kopf über den Gartenzaun streckt und ruft: "Ich mache einen Flohmarkt. Magst du was kaufen?" Ich frage sofort und leider sehr altklug zurück: "Musst du nicht gerade in der Schule sein?" Ohne lange nachzudenken, sagt der Junge: "Ja, eigentlich schon, aber ich bin positiv getestet worden. Voll doof." Die Quarantäne in einen taschengeldwerten Vorteil umzumünzen - darauf muss man erst mal kommen. Sehr geschäftstüchtig, der Junge. Ich muss lachen und mache trotzdem einen Sprung zurück. "Ich brauche nichts, danke", rufe ich. So ein kleiner Mittagspausen-Spaziergang ums Haus - er birgt ungeahnte Gefahren. Dunja Ramadan

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