SZ-Kolumne "Mitten in ...":Sonnenuntergang? Untergangsstimmung!

Lesezeit: 2 min

Ein SZ-Autor genießt das Abendrot auf der Aussichtsplattform des Empire State Building - bis ein deutsches Touristenpaar dazwischenplatzt. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... New York

SZ-Kolumne "Mitten in ...": Illustration: Marc Herold

Illustration: Marc Herold

New York ist voller Geräusche. Das metallene Rattern der U-Bahn-Waggons, die heulenden Sirenen von Feuerwehr, Rettungswagen und Polizei. Dazu Musik in sämtlichen Variationen: Hip-Hop aus der geöffneten Autotür, an einer Straßenecke spielt einer Posaune. Und immer hat jemand sein Handy auf laut und beschallt die Mitmenschen, ohne dass es irgendwie stören würde. Und wie klingt es oben auf dem Empire State Building bei Sonnenuntergang? Der Verkehrslärm bildet von unten einen harmonischen Klangteppich, über uns kreisen nur Flugzeuge. Die fast schon andächtige Stimmung auf der Aussichtsplattform im 86. Stock stört ein deutsches Pärchen, das sich von hinten nähert. Sie schnauft hörbar laut und genervt: "Diese Stadt haben wir jetzt wirklich oft genug von oben gesehen." Selten hat sich etwas so falsch angehört. Florian Kaindl

Mitten in ... München-Flughafen

SZ-Kolumne "Mitten in ...": Illustration: Marc Herold

Illustration: Marc Herold

Seit Ewigkeiten stehen die Passagiere zum Boarding für den Flug von München nach Oslo jetzt schon in der Schlange. Es tut sich nichts, nur das Personal der norwegischen Airline kritzelt Notizen in eine Liste. Die Meute wird unruhig, da bittet eine Dame in Crew-Uniform um Aufmerksamkeit. Ein Technikfehler habe das System lahmgelegt, daher müsse man sich mit ausgedruckten Passagierlisten behelfen, die Namen vergleichen und diese jeweils hinten auf die Bordkarte schreiben. Seit sechs Uhr morgens tue sie nichts anderes, beteuert sie: "Willkommen in den Siebzigern!" Bei dem Stichwort müssten jetzt eigentlich alle flowerpowermäßig anfangen zu tanzen und zu singen: "Caaalifornia dreamin' on such a winter's day!!!" Na ja, funktioniert nicht ganz. Alle gucken wie die Kühe. Keiner rührt sich. Von wegen Siebziger. Willkommen in der Realität. Violetta Simon

Mitten in ... Leipzig

SZ-Kolumne "Mitten in ...": Illustration: Marc Herold

Illustration: Marc Herold

Es war eine Mischung aus Pferdemädchentum und Wettleidenschaft, die einen als Wieder-Leipzigerin in den Galopprennverein eintreten ließ. Zusammen mit 140 anderen wird man sogleich auch Miteigentümerin eines Rennpferdes. Natürlich ist es Ehrensache, dem Heimsaisonstart von "Next Dawn" beizuwohnen. Pflichtschuldig informiert man sich über die Abstammung und entdeckt vielversprechende Namen in der Ahnengalerie wie "Holy Roman Emperor" oder "Rocket". Zumindest klingt es gewaltig schnell. Abergläubisch wettet man trotzdem nur auf Platz, nicht gleich auf Sieg, und freut sich umso mehr über Rang drei und fünf Euro Wettgewinn. Dass man andere Rennbahnbesucher besser nicht dazu ermuntert, den eigenen Tipps zu folgen, merkt man sich fürs nächste Mal - das drückt nämlich die Gewinnquote. Iris Mayer

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