Süddeutsche Zeitung

SZ-Kolumne "Mitten in ...":Licht aus, Heizung aus!

Lesezeit: 2 min

Ein SZ-Redakteur kommt bei einem Spaziergang durchs nächtliche Münster einer kommunalen Energiesünde auf die Spur - und greift ein. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Münster

Die Sorge vor dunklen Innenstädten ist unbegründet, zumindest wenn man nachts durch Münster geht. Die Giebelhäuser am Prinzipalmarkt sind trotz Energiekrise hell erleuchtet. Am Bült sparen die Stadtwerke nicht an der Anzeige, die davon kündet, dass um diese Uhrzeit kein Bus mehr fährt. Auf dem Parkplatz dahinter reihen sich die Autos, und, nanu, auch im alten Kassenhäuschen brennt zu dieser späten Stunde noch Licht. Ein Fenster ist offen, warme Luft dringt heraus. Warme Luft? Versteckt in der Ecke steht ein alter Elektro-Radiator. Ein Griff durchs Fenster bestätigt: Das Teil ist glühend heiß. Wie lange mag es schon laufen? An der Wand ein Kalender: Dezember 2012. Noch ein Griff, diesmal zum Stecker. Licht aus, Heizung aus. Gute Nachrichten aus Münster: Die Atomkraftwerke können jetzt abgeschaltet werden. Michael König

Mitten in ... München

"Boah, die Frau! Die ist mir so auf den Keks gegangen", sagt der Mann, als er sich mit seinem Kumpel auf die Sitzbank in der Münchner S-Bahn fallen lässt. Beide Mitte 20, Jeans unterm Hintern, das Maskengebot und das Alkoholverbot lässig ignorierend: Sie führen je eine Flasche Helles mit sich, dabei ist es erst kurz nach elf, vormittags. Es öffnet sich die Gehirnschublade "Macho". Der eine hat offensichtlich gerade Schluss gemacht und erläutert leicht lallend die Gründe. "Die hat immer nur gemacht, was ich gesagt habe." Verständnisloser Blick des Freundes. "Die verbiegt sich so, bis sie ist, wie ein Mann sie haben will." Der andere erwidert: "Die könntest du doch super an die Leine nehmen." "Nee", sagt der Schlussmacher, "ich will eine Frau, die mir Kontra gibt." Nüchtern betrachtet vielleicht doch ein moderner Mann - wenn auch ein betrunkener. Nadeschda Scharfenberg

Mitten in ... Ithaca

Hauptsächlich die Nahrung sei es, die uns an das "allgemeine Chaos der Materie" binde, schrieb Vladimir Nabokov, aber uns weht in Ithaca hauptsächlich das allgemeine Chaos des Hungers in die Mensa der Cornell University (wo Nabokov mal lehrte). Drinnen wallen Erinnerungen auf an die eigene College-Zeit. Wie sich die leer gefutterten Teller vor einem stapelten, weil man den ganzen Tag gefastet hatte, um am Abend alles rauszuholen aus dem Mensabesuch (an US-Unis kaufen Studierende vorm Semester eine bestimmte Anzahl Mahlzeiten, je meal gilt All you can eat). Ganz anders nun der schmale Typ am Nebentisch, vor sich nur zwei volle Teller, die er nicht mal anrührt. Plötzlich steht er auf und verschwindet. Chaot! Dann materialisiert er sich wieder, erscheint mit turkey, chicken, cornbread, pizza slices. Sechs Teller! Er setzt sich. Es geht los. Moritz Geier

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