SZ-Kolumne "Mitten in ...":Sag beim Abstieg leise Service

Lesezeit: 2 min

Wenn ein dänischer Tourist in den bayerischen Voralpen wandern geht, kann es schon mal das ein oder andere Missverständnis geben. Drei Anekdoten aus Deutschland und Europa.

Mitten auf dem ... Jochberg

SZ-Kolumne "Mitten in ...": Illustration: Marc Herold

Illustration: Marc Herold

Ein Freund aus Dänemark ist zu Besuch. Weil seine Heimat so platt ist wie der Boden einer Tiefkühlpizza, will er die Alpen sehen. Wir einigen uns auf den Jochberg, der zwischen Kochel- und Walchensee einen spektakulären Blick über das verschneite Voralpenland verspricht und den Alpenneuling beim Aufstieg nicht zu sehr strapaziert. An Sommerwochenenden ist der Berg von Touristen überlaufen, doch im Januar stapfen vor allem Einheimische den Pfad entlang. Fast alle grüßen mit einem "Servus", was den dänischen Gast zunächst irritiert. Als er erfährt, dass es sich um eine ortstypische Begrüßung handelt, ein Stück bayerische Identität, grüßt er fleißig mit. Dass sein "Servus" mehr wie "Service" klingt, fällt kaum auf. Beim Abstieg, nach mehr als einem Dutzend Grüßen, hat er schließlich eine Idee: "You should call it the 'Servus Mountain'." Thomas Balbierer

Mitten in ... Madrid

SZ-Kolumne "Mitten in ...": Illustration: Marc Herold

Illustration: Marc Herold

In roter Strumpfhose und gestreiftem Kleid die Mädchen, in marineblauer Hose und Hemd die Jungs. So stürmen Madrids Kinder nachmittags die Spielplätze. Schon im Kindergarten tragen hier alle Uniform. Gemeinhin gilt diese als große Gleichmacherin, kaschiert sie doch soziale Unterschiede. Madrids Kinder kennen aber auch die Sonntagsuniform: Wenn am Wochenende gleich gekleidete Geschwister die Spielplätze bevölkern, haben deren Outfits den gegenteiligen Effekt. Den Zweijährigen, die Vierjährige und den Achtjährigen in braunen Segelschuhen, beigen Chinos und grünen Steppjacken könnte man ineinanderstecken wie Matrjoschka-Puppen. Sie gehören zu einem im gleichen Farbschema gekleideten Vater, der seelenruhig auf einer Bank sitzt, während das philippinische Kindermädchen die Doppelgänger durch den Sandkasten verfolgt. Karin Janker

Mitten in ... Berlin

SZ-Kolumne "Mitten in ...": Illustration: Marc Herold

Illustration: Marc Herold

Nachts am U-Bahnhof Warschauer Straße in Berlin. Man hat sich, weil man auf Freunde wartet, ein Wegbier mitgenommen und dichtet zum Zeitvertreib den Passanten Lebensgeschichten an. Was würde wohl zu dieser jungen Frau passen, die gerade angeradelt kommt? Noch bevor man weiter über eine mögliche Biografie nachdenken kann, braust ein Abschleppwagen heran, hinten drauf ein Sportwagen mit einem Kennzeichen, dessen Buchstabenfolge ziemlich vulgär ist. Die zwei Männer in der Fahrerkabine passen die Radlerin ab, kurbeln das Fenster runter und halten ein unförmiges Etwas heraus. Die Frau guckt verdutzt, bis sie bemerkt, dass es ihr Rucksack ist, der da am Arm des Beifahrers baumelt. "Dit haben Sie fallen jelassen", schallt es aus der Fahrerkabine. Sie bedankt sich überschwänglich, alle rasen davon. Darauf einen Schluck Wegbier. Max Fluder

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