Süddeutsche Zeitung

SZ-Kolumne "Mitten in ...":Liebe Schotter und Schotterrinnen

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Nach einer Wanderung durch das Karwendelgebirge wird ein SZ-Autor verdächtigt, es mit dem Gendern gewaltig zu übertreiben. Drei Anekdoten aus Deutschland und Österreich.

Mitten in ... Innsbruck

Auf der Fernwanderung von München nach Innsbruck sind die letzten Etappen die schwersten. Es geht auf steilen Pfaden über Stock und Stein durchs Karwendel. Nach dem 1500-Meter- Abstieg ins Inntal tun mir Beine und Rücken weh. Das Knie ist geschwollen, ich kann kaum noch laufen - ein Bandscheibenvorfall, wie sich später herausstellen wird. Also lasse ich mich von einem Freund meines Sohnes, der in Innsbruck studiert, mit dem Auto abholen. "Krasser Abstieg", sagt er mit Blick auf die Nordkette. "Stimmt", antworte ich, "und die Querung der Schotterrinnen ist gar nicht so ohne." Der junge Mann schaut mich entgeistert an, überlegt kurz und bricht dann in Lachen aus: "Schotter-Rinne! Aha. Jetzt habe ich echt kurz gedacht, du genderst Schotter." Nein, so weit würde ich nicht gehen. Auch wenn es sich um eine Fernwanderung handelt. Titus Arnu

Mitten in ... Stuttgart

Ja, es gibt schönere Orte als den Stuttgarter Hauptbahnhof, um festzustellen, dass der ICE nach München eine halbe Stunde Verspätung hat. Option 1: Man ergibt sich seinem Schicksal. Option 2: Man sieht auf der Anzeigetafel, dass sich ein anderer, eigentlich früherer ICE Richtung München um 100 Minuten verspätet hat. Ein Geschenk des Himmels! Also schnell einsteigen. Natürlich weiß man da noch nicht, dass es weder Strom noch fließend Wasser geben wird. Aber wer braucht das schon, wenn man sich noch während des Einsteigens mit einem amerikanischen Fahrgast anfreundet? Später beim Aussteigen in München werden zwei Dinge klar: Man hätte nicht viele andere Freundschaften knüpfen können, der Zug war komplett leer. Und: Je mehr Züge später kommen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man doch pünktlich zu Hause ist. Julian Erbersdobler

Mitten in ... Oldenburg

Samstagmorgen, Frühstückszeit. Die Bäckerei an der Hauptstraße in Oldenburg bietet eine reiche Auswahl und ein sonniges Plätzchen auf der Terrasse. Die Gäste aus München ordern einen Cappuccino, einen Kaffee, ein Croissant und ein Mandelhörnchen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist vollkommen okay: 2,50 Euro der Cappuccino, zwei Euro der Kaffee. Aber huch, warum kostet das Mandelhörnchen denn 2,02 Euro? Von preispolitischen Auswüchsen jeglicher Art ist der Münchner ja nicht so leicht aus der Fassung zu bringen, aber einen Preis, der krummer ist als das Hörnchen selbst, findet er höchst speziell. Spoiler: Es liegt am höheren Mehrwertsteuersatz für den Verzehr am Tisch. Die Verkäuferin aber kontert die Zwei-Cent-Nachfrage der scheinbar knauserigen Kundschaft aus Bayern erst mal pikiert: "Da sind ja schließlich echte Mandeln drin." Stefanie Schwetz

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