Kolumne „Mitten in ...“Ein Billigflieger macht sich selbständig

Lesezeit: 2 Min.

Illustration: Marc Herold

Eine SZ-Redakteurin steigt am Flughafen BER gerade aus dem Flieger aus, als dieser plötzlich nach hinten rollt. Da hilft nur eine Rettungsmaßnahme. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Berlin

Der Ausstieg aus dem Billigflieger am BER ist in vollem Gange, als plötzlich die Durchsage kommt: Alle Passagiere, die bereits im Gang stehen, mögen bitte so schnell wie möglich nach vorne kommen und in den ersten sieben Reihen Platz nehmen. Grund sei ein „gefährlicher Vorfall“ – das Flugzeug sei zwar an der Fluggastbrücke angedockt, jetzt aber nach hinten gerollt. Das Gewicht müsse darum rasch verlagert werden. Also tut man natürlich, wie einem geheißen wird. Es folgt der Aufruf, dass nun zunächst jene Passagiere, die derzeit noch in den hinteren Reihen sitzen, das Flugzeug verlassen sollen. Als ein äußerst korpulenter Mann Richtung Ausgang schreitet, fangen die jungen britischen Touristen in Reihe 6 an, zu jubeln und zu applaudieren. Wie gemein! Dafür müssen sie warten. Und steigen dann als Allerletzte aus. Sina Kampe

Illustration: Marc Herold

Mitten in ... Cádiz

In Japan kommt angeblich ein Verkaufsautomat auf 23 Einwohner. Und auch anderswo auf der Welt greift der Trend um sich. In Singapur zum Beispiel steht ein solches Gerät am Rand des Urwalds und offeriert überlebensnotwendiges Insektenspray. Im Allgäu können sich Touristen inzwischen sogar frischen Rehbraten aus dem Warenautomaten ziehen. Eine sehr originelle Befüllung bietet sich dem Verbraucher auch in der andalusischen Hafenstadt Cádiz. Unscheinbar neben einem Hauseingang steht der einsame Apparat und präsentiert in dieser Reihenfolge: im oberen Drittel Blasenpflaster und Kondome in verschiedenen Größen und Farben. Gleitmittel im mittleren Segment. Unten: Babyschnuller und Babygläschen in diversen Geschmacksrichtungen. Was sagt uns das jetzt über Andalusien – oder dessen Touristen? Susanne Perras

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Lima

Dass dies kein gewöhnliches Lokal ist, zeigt schon das Fischerboot vor dem Eingang. Es gehört Freddy Guevara, 85 Jahre, der drinnen an einem Tisch sitzt und aus Fischernetzen Souvenirs knüpft. Er ist bei jedem Wetter mit seinem Boot rausgefahren und traf eines Tages am Strand Sonia. Gemeinsam gründeten sie das Fischlokal. Hier gibt es das vielleicht beste Ceviche Limas – und eine der wohl schönsten Liebesgeschichten der Stadt, der sogar der Tod nichts anhaben kann. Überall Fotos der beiden, Gedichte von Freddy für seine Liebste an den Wänden. Das Restaurant trägt ihren Namen: Sonia. Sie ist vor Jahren gestorben, heute schmeißen die Kinder den Laden, haben Sonias Fischrezepte geerbt. „Mit ihr fühlte ich mich immer wie 25“, sagt Freddy Guevara. Und bevor er allein nach Hause aufbricht, fügt er hinzu: Sie war der beste Fang meines Lebens. Georg Ismar

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