Mitten in ... Delhi
Plötzlich liegt da dieser Fußball auf der Straße. In Indien kann es schon mal vorkommen, dass etwas herumliegt. Und weil die Straße im Stadtteil Dwarka relativ wenig befahren ist, stört der Ball auch den Verkehr nicht. Trotzdem: Was macht der Ball hier? Denn es handelt sich keineswegs um ein erschlafftes Spielgerät aus kaputtem Leder. Im Gegenteil: Der Ball ist in guter Form, aufgepumpt, spielbereit. Als wäre er gerade noch in gerader Bahn auf ein Tor zugeflogen. Wo kommt der Ball her? Die fragenden Blicke bleiben an der Mauer hängen, die zwischen Bäumen neben der Straße aufragt. Befindet sich dahinter nicht eine Schule? Möglicherweise sogar der Sportplatz der Schule? Auf einmal ergibt alles einen Sinn. Ein schneller Griff, ein Wurf. Der Ball fliegt zurück in das Spiel, aus dem er herausgeschossen worden war. Hinter der Mauer sagt jemand: „Danke!“ Thomas Hahn

Mitten in … Padua
Morgens im Frühstücksraum eines Altstadthotels in Padua. Draußen strahlt die Sonne, doch wie sich die Temperaturen an diesem Tag entwickeln werden, weiß man noch nicht genau. Dementsprechend angeregt diskutiert eine österreichische Großfamilie über die beste Kleidung für die geplanten Besichtigungen. Denn Obacht, einerseits könnte man bald ins Schwitzen kommen, andererseits gebe es ja landestypische Anstandsregeln beim Besuch von Kirchen, Stichwort bedeckte Schultern und so weiter. Der Vater, noch sichtlich unter dem Eindruck des italienischen Fernsehprogramms vom Vorabend, fasst kopfschüttelnd zusammen: „Do hom’s all diese Sendungen, in denen’s hoibert nockert ummirenna, aber wehe dann doo …!“ Eine vielleicht nicht ganz nach ethnologischen Standards formulierte Beobachtung, die man aber doch mal so stehen lassen kann. Irene Helmes

Mitten in ... Weichering
Die beiden sonnengegerbten Männer, einer mit Strohhut, der andere mit Baseballkappe, stehen vor einem bulligen Lanz-Glühkopfbulldog, Baujahr 1949, und fachsimpeln. Die Unterhaltung der mutmaßlichen Austragsbauern beim Oldtimer-Treffen im oberbayerischen Weichering dreht sich um die Marken aller möglichen Nachkriegstraktoren: Eicher, Schlüter, Hanomag, Fendt, Kramer – alles, was in den Fünfzigerjahren einen klingenden Namen hatte, wird durchgehechelt. Hauptsächlich geht es den beiden Kennern dabei um die Zahl der PS und natürlich darum, welcher Bauer im Dorf früher welches Fabrikat fuhr. Da sagt der Mann mit dem Strohhut unvermittelt: „Kennst du den Karl?“ Der Kappenträger bejaht nickend. Daraufhin der andere: „Zwoa guade Sachan hot der g’habt. A super Weib und an super Mähdrescher.“ Werner Schmidt
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