SZ-Kolumne „Mitten in …“:Borussia what?

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(Illustration: Marc Herold) (Foto: )

Der USA-Korrespondent der SZ würde zu gerne das Champions-League-Finale schauen, ist aber im Nirgendwo in Illinois unterwegs. Da taucht am Horizont eine Sport-Bar auf. Die Rettung? Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in … Illinois

Es ist 14.10 Uhr hier in Illinois, die Landstraße führt schon sehr lange geradeaus und im Wembley ist bereits angepfiffen worden. Verzweiflung macht sich breit. Dann taucht am Horizont ein einzelnes Gebäude auf und im Vorbeifahren erblickt man doch tatsächlich die Leuchtschrift: „The Isles. Sportsbar. Open.“ Also Vollbremsung, Rückwärtsgang. „Hi, I’m Tom“, sagt der einzige andere Gast. Sag mal, läuft hier nicht das Champions-League-Finale? Tom und Denise, die Frau hinter der Theke, schauen so, als habe soeben ein Alien die Bar betreten. Denise nimmt trotzdem die Fernbedienung und findet das Spiel auf CBS, Füllkrug triff gerade den Pfosten. Später sind sich beide einig, dass es ein brillantes Spiel war, besonders das gelbe Team hat ihnen gefallen. Dann schaltet Tom zum Baseball um. Zwischen Dortmund und Real Madrid steht es zur Halbzeit 0:0. Boris Herrmann

Mitten in … Neureichenau

(Illustration: Marc Herold) (Foto: )

Mein Stadtkind ist begeistert von unserem Kurzurlaub auf dem Bauernhof im Bayerischen Wald: Es gibt viele Tiere zum Streicheln und Füttern, einen Bobbycar-Fuhrpark und eine freundliche Bauernfamilie mit zwei Kindern. Die jüngere der beiden spricht mich an und bittet um Hilfe: Sie habe Durst, aber der Schlüssel zum Getränkelager sei an einem Ort versteckt, den sie nur durch eine waghalsige Kletteraktion erreichen könne. Ich zögere: Darfst du denn allein ins Lager und dir selbst etwas zu trinken aussuchen? Jaja, versichert die Siebenjährige, die Eltern könnten sie neben der Arbeit in Stall und Büro nicht mit Getränken versorgen. Ich fische ihr den Schlüssel aus dem Versteck. Wenige Minuten später hat sie eine Flasche Zitronenlimo leer geschlürft. Und ich frage mich für den Rest des Urlaubs, ob ich wohl Beihilfe zu einer Bauernhof-Straftat geleistet habe. Jana Anzlinger

(Illustration: Marc Herold) (Foto: )

Mitten in … Reichertshofen

Hochwassersonntag in Bayern. Vor wenigen Minuten bin ich neben Robert Habeck und Markus Söder auf der Ladefläche eines Militärlasters aus dem überfluteten Reichertshofen gefahren, nun stecke ich fest: Handynetz tot, Autobahn geflutet, Stau – und dann fängt es wieder an zu regnen. Keine Chance heimzukommen. Ich flüchte mich in einen McDonald’s, um meine Reportage aufzuschreiben. Doch immer wieder werde ich von einem Pärchen am Nebentisch abgelenkt, das hier auch gestrandet ist. Während der Mann stoisch sein Menü verzehrt, wirkt die Frau fahrig und schimpft. Die Cola sei zum Kotzen, das Wetter mies und überhaupt: Wann könne man hier endlich weg? Besonders missfällt ihr der Politikerauftrieb: „Hoffentlich kommt nicht auch noch der Scholz“, sagt sie zu ihrem Mann. Am nächsten Tag besucht der Kanzler das Flutgebiet. Thomas Balbierer

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