SZ-Kolumne „Mitten in ...“:Von Phallus zu Phallus

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(Illustration: Marc Herold) (Foto: )

In Bhutan herrscht eigentlich Pornografieverbot. Doch ein SZ-Autor entdeckt auf Schritt und Tritt Penisse. Wie kann das sein? Drei Anekdoten aus aller Welt.

Titus in … Paro

„Keine Waffen, keine Drogen, kein pornografisches Material!“, steht auf dem Schild am Flughafen in Paro, Zuwiderhandlungen werden hart bestraft. Doch in der Stadt fallen einem überall Penisse auf: Sie prangen an Hauswänden, auf Autos, an Hoteltüren. In den Souvenirshops stehen handgeschnitzte, bunt lackierte Schniedel in Reih und Glied. Manche sind realistisch dargestellt, andere haben Flügel, Füße und grinsende Gesichter. Wie war das noch mal mit dem Porno-Bann in Bhutan? „Der Phallus ist als Symbol für Glück und Wohlstand allgegenwärtig“, heißt es im Reiseführer. Der Kult gehe zurück auf einen buddhistischen Heiligen mit dem Spitznamen „Göttlicher Wahnsinniger“, der mit seinem riesigen feuerspeienden Penis angeblich Dämonen besiegte. Und das wird in Bhutan nicht als besonders krasser Porno eingestuft – sondern als Wunder. Titus Arnu 

(Illustration: Marc Herold) (Foto: )

Titus in … Bangkok

Auf der Sukhumvit Road wälzt sich ein Strom aus Tuktuks, Taxis, Motorrädern und Bussen durch Bangkok. Fußgänger warten an Kreuzungen in der Hitze, umwölkt von Abgasen. In einer Kabine sitzen Polizisten und regeln die Ampelschaltung von Hand, stets zugunsten des motorisierten Verkehrs. Es ist 38 Grad heiß, irgendwann hält einer der Wartenden es nicht mehr aus: Ein alter Mann – zerschlissenes Hemd, Shorts, ein Handtuch als Sonnenschutz auf dem kahlen Schädel – läuft einfach los. Niemand hupt, alle Mopedfahrer weichen aus. Plötzlich breitet er sein Handtuch auf der Kreuzung aus, wie einen Gebetsteppich, vor einer schwarzen Limousine. Ziviler Ungehorsam? Ein todesmutiger Klimakleber? Nein, der Alte will sich bei den Autofahrern nur bedanken, dass sie ihn am Leben lassen. Die Polizisten lachen, der Verkehr tobt weiter. Titus Arnu 

(Illustraton: Marc Herold) (Foto: )

Titus in … Flims

Mein Hund und ich haben gemeinsame Hobbys: Bergwandern und Kulinarik. Wobei „Kulinarik“ ein überkandidelter Begriff für das Zeug ist, was mein Hund fräße, wenn man ihn ließe. Keine Details! Der „Kulinarik-Trail“ rund um Flims reizt uns jedenfalls beide. In drei Gasthäusern werden drei Gänge serviert, Oskar bekommt Leckerli. Die zehn Kilometer lange Strecke zwischen den Lokalen ist mit allerlei Infos über Graubündner Spezialitäten bestückt, neben dem Weg steht zum Beispiel, auf einem Baumstumpf, eine überdimensionierte Käseglocke, darunter Brot, Käse, Wurst. Mein gefräßiger Hund macht sabbernd Männchen und vollführt freiwillig weitere Kunststückchen. Doch die Kulinarik-Installation ist ungenießbar: Die Lebensmittel sind erstens vergilbt und zweitens Imitationen aus Holz. Fake News sind schlimm, Fake Food ist furchtbar! Titus Arnu

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