SZ-Kolumne "Mitten in ...":Landeanflug auf den Horror-Flughafen

Lesezeit: 2 min

(Illustration: Marc Herold) (Foto: Marc Herold)

Auf dem Flug nach Bhutan genießt ein SZ-Autor die Aussicht auf den Mount Everest - bis seine Sitznachbarin mit Schauergeschichten anfängt. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Paro

Für bergbegeisterte Menschen ist die Reise nach Bhutan ein Traum, bei klarem Wetter sieht man vom Flugzeug aus den Mount Everest. Für Menschen mit Flugangst ist die Landung auf dem Flughafen in Paro aber ein Albtraum. Die Sitznachbarin, Leiterin einer NGO aus Korea, krallt sich an die Armlehne und redet sich die Panik vom Leib: "Wussten Sie, dass nur 15 Piloten auf der Welt dazu ausgebildet sind, hier zu landen?" Oha. "Ich war bei einer Therapeutin, um mich auf den Flug vorzubereiten." Was hat sie geraten? "Dass ich meine Angst rationalisieren soll." Während der Airbus A319 auf eine Felswand zusteuert, referiert die Dame sämtliche Gefahren: "Fallwinde", "Höhenluft", "Fünftausender". Der Jet sinkt halb schräg auf eine kurze Landebahn hinab. Alles geht gut, aber wollte man die Details wirklich wissen? Manchmal ist es besser, naiv aus dem Fenster zu starren. Titus Arnu

(Illustration: Marc Herold) (Foto: Marc Herold)

Mitten in ... Kaş

Der Urlaub in der Südtürkei ist nötig, und zwar offenbar so sehr, dass zwei Münchner vor lauter Entzückung über Sonne, Meer und Bougainville glatt die Planung durcheinanderbringen. In der Annahme, der jeweils andere werde die Buchungsdaten schon im Blick haben, fährt man einen Tag zu früh von Antalya nach Kaş. In dem Ferienörtchen an der lykischen Küste zieht der Mitarbeiter eines Familienhotels beim Blick auf den Bildschirm die Stirn in Falten. Man solle doch bitte mal das Datum prüfen. Die Reservierung gelte ab Dienstag, heute sei Montag. Schreck lass nach. Was nun? Können wir umbuchen? Ist noch ein Zimmer frei? Der Mann von der Rezeption bleibt gelassen. Halb so wild, sagt er, das lasse sich schon irgendwie regeln. Und falls es einen tröste: Im vergangenen Jahr sei ein Ehepaar sogar einen ganzen Monat zu früh angereist. Franziska Gerlach

(Illustration: Marc Herold) (Foto: Marc Herold)

Mitten im ... ICE 708

Der ICE rollt los, die Frau ruft nun ihre Bekannte an. Die braucht Geld für ein Foto-Kunstprojekt, und die Frau gibt ihr viele Tipps: wen sie im Kulturreferat anrufen solle, mit wem bei den Grünen sie selbst gerade gut könne ("ich schick dir die Handynummer"), dass der eigene Fraktionschef gerade sehr zugänglich sei und was in einem Antrag stehen müsse ("Erziehung ist gut, das lieben alle"). Eine Mitfahrerin versucht noch, die Frau vor Peinlichkeiten zu bewahren: "Sie unterhalten hier das ganze Abteil", sagt sie zu ihr. "Das ist doch ein Handyabteil, kein Schweigeabteil", blafft die Frau zurück. Wer es wissen will, erfährt schnell, worum es geht, dass die Frau der Mehrheitsfraktion im Stadtrat angehört und ein bekanntes Museum leitet - auch wenn sie nichts von alledem sagt. An ihrer Hose baumelt der Hausausweis. Der Rest ist Google, das Wlan im Zug ist stabil. Kassian Stroh

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