Kolumne „Mitten in …“Es krabbelt so schön auf der Zunge

Lesezeit: 2 Min.

Illustration: Marc Herold

Eine SZ-Autorin ist beim Berufe-Tag an einer Augsburger Schule zu Gast und wundert sich, warum der größte Andrang bei einem Schädlingsbekämpfer herrscht. Könnte sein, dass es am leicht gruseligen Catering liegt. Drei Anekdoten aus aller Welt.

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Mitten in ... Augsburg

Berufsinformationstag an der Fußball-Realschule in Augsburg-Oberhausen, mehr als 20 Firmen stellen sich den Schülern der oberen Klassen vor. Bei der Polizei und der Justizvollzugsanstalt herrscht starker Andrang. Aber es geht noch mehr: Völlig überfüllt ist das Klassenzimmer, in dem eine Schädlingsbekämpfungsfirma um zukünftige Azubis buhlt. Neugierige Nachfragen, was am Kakerlakenvernichten so sexy sei, lösen das Rätsel. Die Firma lässt sich einiges einfallen, um den Nachwuchs zu rekrutieren. Es gibt jede Menge Werbegeschenke wie Sonnenbrillen, Lineale – und Plüschratten. Außerdem greifen die nimmersatten Pubertiere sehr gerne bei den Gratiskrapfen zu. Doch die beliebteste Delikatesse ist an diesem Tag eine andere, und der Verzehr ist für die Schüler eine Mutprobe: frittierte Grashüpfer in Chilisauce. Susanne Perras

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Otranto

Italien gilt Touristen allgemein als Schlaraffenland, die mit dem Genuss verbundenen Etikette bleiben zugleich vielen ein Rätsel. Primo, Secondo, welches Getränk wann und überhaupt – alles nicht so einfach. Auf der Terrasse einer Trattoria in der Hafenstadt Otranto in Apulien sind am Mittag viele Sprachen zu hören, das Ambiente ist ungezwungen. Die Bestellung am Nebentisch lässt aber doch aufhören: Ein älteres Paar, Muttersprache undefinierbar, wünscht sich auf Englisch „Cappuccino, Cola, Spaghetti“. Was alles bald ohne Wimpernzucken serviert wird, und zwar auf einmal. Die Dame schlürft zunächst zufrieden ihre Kaffeetasse aus, bevor sie sich Pasta und Erfrischungsgetränk widmet. Und hey, tatsächlich hat sie sich dabei ja an eines der vielen ungeschriebenen Gesetze gehalten: kein Cappuccino nach dem Mittagessen! Irene Helmes

Illustration: Marc Herold

Mitten in ... Adana

Wenn man einen Freund in der Türkei besucht, gehört man sofort zur Familie. Zur Begrüßung „Merhaba“, Küsschen rechts, Küsschen links. Dann geht es ins Wohnzimmer. Tee, Mokka oder doch lieber Nescafé? Alle sitzen beisammen, essen Gebäck, das man auf keinen Fall ablehnen kann, und unterhalten sich. Im Hintergrund laufen die Nachrichten im Staatsfernsehen. „Die gehen fast eine Stunde“, wird erklärt. Eine Stunde? Scheint sich um tiefgehende Analysen zu handeln. Mitnichten. Innenpolitische Themen? Kaum. „Pures Entertainment“, sagt die Familie. Es folgt ein Beitrag aus Afghanistan, in dem es weder um Frauenrechte noch um Grenzstreitigkeiten geht – sondern um einen Mann, der à la Otto Lilienthal mit selbstgebauten Flügeln von einem Berg sprang, mit ähnlichem Erfolg. In den „Tagesthemen“ wurde das anscheinend vergessen. Florian Ullmann

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