Kolumne „Mitten in …“Das heißeste Eis von ganz Berlin

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Illustration: Marc Herold

Eine SZ-Redakteurin will doch nur ihren Kindern eine Auszeit vom Berlin-Sightseeing gönnen – und gerät dabei in eine nicht ganz jugendfreie Gegend. Drei Anekdoten aus aller Welt.

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Mitten in … Berlin

Für unseren Familientrip nach Berlin hat eine Freundin eine Eisdiele empfohlen, mit dem angeblich besten Eis der Stadt. Es gibt mehrere Filialen, wie gut, dass eine in der Nähe des Hotels liegt. Also laufen wir mit den Kindern los in Richtung Nollendorfplatz. Unterwegs nimmt die Dichte an Männerpaaren, Cafés mit Regenbogenfahnen und – wie Wikipedia sie nennt – „Fachgeschäften, die Spielzeug für Erwachsene und knappe Mode aus Leder zur Schau stellen“, beständig zu. An der Eisdiele selbst harmoniert das orangefarbene Haar des Verkäufers prächtig mit den pinken Stühlen und den roten Getränken, die sich seine Jungs-Gang vor dem Laden eifrig nachschenkt. Zufrieden sitzen die Kinder auf den pinken Stühlen, beobachten das Geschehen und die Schaufenster und überlegen dann, bei welcher Gelegenheit man eigentlich lederne Penishöschen tragen könnte. Kerstin Lottritz

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Selaya

Fahrt mit dem Auto von München nach Nordspanien. Der Sohn ist im Fußballstickersammelfieber und spricht 1800 Kilometer über kaum etwas anderes als die WM. Die Panini-Bilder müssen in den Durchfahrtsländern Schweiz (teurer!), Frankreich (Mbappé!) und Spanien (Yamal!) gekauft werden. Doch von San Sebastián über Bilbao bis nach Santander sind die Pakete ausverkauft. Letzter Versuch in dem hinterletzten Kaff Selaya in einem Laden, dessen Verkaufssortiment schwer zu identifizieren ist. Spielwaren? Kuchentheke? Metzger? Lotto? Ein Mann mit trüber Brille schleicht aus dem Hinterzimmer. Tatsächlich fischt er fünf Packs aus dem verstaubten Sammelsurium seines Ladens. Nachgeliefert werden sie allerdings nicht, zu begehrt im ganzen Land, weiß der Mann. Er hat auch die Erklärung parat: „Wissen Sie, die sind wegen der WM so beliebt.“ Ach so ... Annette Reuther

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Meerbusch-Büderich

Sonntagabend, deutscher WM-Auftakt gegen Curaçao. Vor den Toren Düsseldorfs strampeln die Kampfradler trotzig den Rhein hinunter. Statt Flaggen weht nur der rheinische Wind. Doch da: Auf dem Parkplatz vor der Eisdiele „Palatini“ sitzen acht Unbeirrbare. Die albanisch-türkischen Mitarbeiter haben einen Bildschirm aufgestellt und sich in Kuscheldecken eingemummelt. Über ihnen reckt sich der Schützenbaum des Dorfs empor, auf den Tischen drunter warten Mozzarella, Pizza und Grappa auf Verzehr. Hängt der Stream – und er hängt öfter –, wird lautstark protestiert. 1:0, zustimmendes Nicken. Jemand noch Wein? Jemand noch Pizza? Jemand noch Eis? Doch dann: Curaçao am Ball. Das Gegentor. „Scheiße“, ruft eine Frau in die Stille. Zur Halbzeit machen sie Pavarotti an. Durch die Einflugschneise knallt ein Flugzeug. Da ist er, dieser WM-Sommer 2026. Viktoria Spinrad

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