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SZ-Kolumne "Mitten in":Fast wie Charlie Chaplin

In Hamburg bereitet ein Klebeband Probleme, in Berlin eine Steckdose, und in Rüdesheim hilft ein guter Wein gegen Problem-Touristen.

Mitten in ... Hamburg

Illustration: Marc Herold

(Foto: Marc Herold)

Sonntagmorgen im Schanzenviertel. Eine Kneipe neben der anderen, buntes, quirliges Leben. Vor dem Transmontana (portugiesische Spezialitäten) stehen die Gäste Schlange bis auf die Straße. Abstand? Hier doch nicht. Die Wirtin, kalt erwischt vom plötzlichen Andrang, kommt mit einer Rolle Klebeband, Markierungen aufs Pflaster kleben. An einer Stelle ist das Band umgeklappt, ein Gast tritt drauf, das Zeug klebt am Schuh. Er will es mit dem anderen Fuß abstreifen, jetzt pappt es an dem. Neuer Versuch, wieder mit dem ersten Fuß. Jetzt klebt es an beiden. Schritt links, Schritt rechts - es klebt wie die Hölle. Ein chaplinesker Stepptanz. Alle ringsum freuen sich über die hübsche Showeinlage. Endlich eine hilfreiche Hand von der Seite, die den Mann von dem lästigen Anhängsel befreit. Nur die Wirtin ist genervt. Jetzt muss sie noch mal kleben. Hans Holzhaider

Mitten in ... Berlin

Illustration: Marc Herold

(Foto: Marc Herold)

Im Büro soll der Stromzähler ausgetauscht werden, um 8.40 Uhr kommt der Elektriker des lokalen Versorgers und beginnt zu werkeln. Der Strom könne kurz ausfallen, sagt er, aber in zehn Minuten sei alles okay. Es flackert das Licht, piept die Sprinkler-Anlage, brummt die Kaffeemaschine. Dann Stille. Telefon: tot. Internet: tot. Computer: schwarz. Die Parlamentsredaktion der SZ ist von der Welt abgeschnitten. Und jetzt? Per Ferndiagnose schließt die IT in München nicht aus, dass alle drei Router kaputt sind. Gegen 19 Uhr kommt ein Techniker, ein Kurier soll Ersatzteile liefern, lässt aber auf sich warten. Irgendwann steckt der Techniker den Stecker der toten Steckerleiste in eine andere Dose - und es fängt an zu brummen. Alles geht wieder, zumindest provisorisch, der Kurier kann umdrehen. Der Elektriker am Morgen hatte einzig und allein die Steckdose lahmgelegt. Cerstin Gammelin

Mitten in ... Rüdesheim

Illustration: Marc Herold

(Foto: Marc Herold)

Viel gehört hatte man ja über Rüdesheim am Rhein. Viel Schlechtes: eine proppenvolle, inszenierte Kulisse. "Riesling-Ballermann" sagt der Begleiter auf der Rheinsteig-Wandertour, ein weinkundiger Historiker. Dennoch rät er zu einem Abstecher, da sein telefonbuchdickes Fachbuch beste Tropfen erwähnt. Zudem ist ja Corona - vielleicht ist alles anders? Ist es nicht. Zwar sind keine Horden da. Aber: Touristen scheren sich beim Fotografieren in den Gassen keinen Deut um die Fortbewegung anderer. Junge Briten, optisch wie aus der Hooligan-Fankurve, sind schon nachmittags knallbesoffen, rufen Obszönitäten (irgendwas mit "bum", Hintern). Die Gastronomie ist kitschig, dass es wehtut. Und zwischen all den Schüttelgläsern und Holzuhren ist Wanderbedarf kaum zu erstehen. Seine Weinprobe, sagt der Begleiter später, war vorzüglich. Johann Osel

© SZ/nas
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