Mitten in ... Benediktbeuern
Ein Freibadbesuch in Benediktbeuern im bayerischen Voralpenland, das Kinderbecken gleicht einem Wimmelbild vor Bergpanorama. Eine Mutter und ein Vater stehen mit ihrem etwa einjährigen Kind auf dem Arm vor dem Becken. Da nähert sich der Bademeister dem Paar, deutet auf das Kleinkind und fragt leise, ob man denn vorgesorgt habe, damit „nichts abgehe“. Große Fragezeichen im Gesicht der Eltern. Also startet der Bademeister einen neuen Erklärungsversuch: Ein anderer windelloser kleiner Junge in dem Becken habe „etwas verloren“, mit dem Zeigefinger deutet der Aufpasser vielsagend auf den Pobereich des Kindes. Weiter große Fragezeichen in den Gesichtern der Eltern. Doch dann leuchtet plötzlich das Gesicht des Vaters auf, der Groschen ist gefallen. Erfreut ruft er richtig laut: „Ahhhh, nei’gschissn hod ea!!!“ Annette Reuther

Mitten in ... Gonzales
Als die vier Fremden das mexikanische Lokal in dem kalifornischen Städtchen Gonzales betreten, herrscht für einen Moment aufmerksame Stille. Dann sind die Musik und der leidenschaftliche Gesang zum Karaoke wieder ohrenbetäubend laut. Man entscheidet sich trotzdem zu bleiben und bestellt halb schreiend beim Kellner. Nach einer Weile fragt der DJ höflich an, ob man gesanglich etwas beitragen wolle. Die gemeinsame Party beginnt. In wechselnder Formation singen die Gringos über den Abend verteilt Grönemeyer, Lindenberg, Jürgens und schließlich die Spider Murphy Gang. Die einheimischen Gäste sind begeistert. Irgendwann, man hat längst Freundschaft geschlossen, tritt einer von ihnen an den Tisch und zeigt eine übersetzte Nachricht auf seinem Handy: „Meine deutschen Freunde, ihr seid jetzt alle Mexikaner.“ Florian Kaindl

Mitten in … Lüneburg
ICE München-Hamburg. Ein Mann setzt sich neben mich, vielleicht Mitte 20, und fragt, ob er sein Handy bei mir aufladen könne. Ich gucke gerade mit Kopfhörern einen Film auf dem Tablet, außerdem lade ich mein eigenes Handy an meiner Powerbank auf, aber ich sehe seinen Akku-Balken, fast leer, und denke, die Welt braucht Freundlichkeit, also okay. Es vergehen ein paar Sekunden, dann fragt er, ob er mein Wlan anzapfen kann. Ich habe kein Wlan, sage ich. Er fängt an, auf meinem Tablet zu wischen. Stopp, sage ich, Aufladen ja, Internet nein! Wieder ist ein paar Sekunden Ruhe, dann greift er an mir vorbei und dreht mein Tablet so, dass er mitschauen kann. Ich fange an zu schimpfen, er flucht, steht auf und verschwindet. Im nächsten Bahnhof, Lüneburg, gehen Polizisten durch die Gänge. Würde mich nicht wundern, wenn ich den Verursacher kenne. Marc Schürmann
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