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SZ-Kolumne "Mitten in":Pizza internazionale

Am Comer See schmeckt die Pizza sehr italienisch, ist es aber nicht. In der Münchner S-Bahn scheint eine Reisende rücksichtslos zu sein, ist es aber nicht. Und in der Jachenau fühlt sich ein Wanderer sehr fit. Aber ist er es auch?

Mitten in ... Bellagio

Marc Herold: Mitten in...

Illustration: Marc Herold

Der letzte Tag am Comer See. Abends noch einmal Heißhunger auf Pizza, also die nette Italienerin an der Hotelrezeption nach einer authentischen Pizzeria gefragt. Sie hält uns einen Stadtplan entgegen. Also los geht's. Der erste Eindruck stimmt: unauffälliger Laden, einheimische Klientel, kaum Touristen. Die Steinofenpizza ist fantastisch. Man kommt mit dem Kellner, schwarzes Haar, dünner Oberlippenbart, ins Gespräch, ein waschechter Italiener - denkt man. Und stellt fest, mitten im globalisierten Italien gelandet zu sein: Der Kellner hat türkische Wurzeln, er holt den Pizzabäcker nach vorne, einen Bangladescher, und als man mitten im babylonischen Sprachgewirr zählen will, wie viele Nationalitäten (die eigenen eingeschlossen) hier gerade zusammenkommen, streckt der ägyptische Koch seinen Kopf aus der Küche und grüßt auf Arabisch. Mehr Italien geht nicht. Dunja Ramadan

Mitten in ... München

Marc Herold: Mitten in...

Illustration: Marc Herold

In der Flughafen-S-Bahn sitzt eine vermutlich muslimische Frau, deren Gesicht ein Schleier einrahmt. Neben ihr stehen zwei Koffer im Gang, auf dem Sitz vor ihr liegen zwei Taschen. Station für Station füllt sich der Zug, bald sind alle Sitze belegt - außer jenem gegenüber der Frau, der von den Taschen blockiert bleibt. Fahrgäste blicken die Frau missbilligend an, aber niemand traut sich, etwas zu sagen. Nach jedem Halt kommen Platzsuchende vorbei, bleiben kurz stehen, gehen stumm weiter. Die Frau blickt mit versteinerter Miene stur geradeaus. Warum kommt sie nicht von selbst auf die Idee, das Gepäck vom Sitz zu nehmen? Kurz vor der nächsten Haltestelle steht auf der anderen Seite des Gangs eine Frau auf, beugt sich hinüber, greift ihre Taschen vom blockierten Sitz und steigt aus. Die Dame mit Schleier blickt weiter starr ins Leere. Sebastian Herrmann

Mitten in ... Jachenau

Marc Herold: Mitten in...

Illustration: Marc Herold

Was sind schon lachhafte 750 Höhenmeter für den gut trainierten Endfünfziger, bebend vor Energie? Die Herbstsonne strahlt, hinauf geht es zum Hirschhörnlkopf oberhalb der Jachenau, weit oberhalb. Herrlich, so eine Bergwanderung, nichts für Schattenparker natürlich. Schade für all die Leute, die sich nicht fit halten, aber selber schuld. Wir steigen eine Stunde an. Kommt der Gipfel wirklich näher? Zeit für eine Trinkpause. Und warum diese nicht im Sitzen genießen, am Wegesrand? Da nahen von oben zwei junge Bergwanderinnen, sie gehen mit einem freundlichen "Servus" an uns vorbei. Das heißt: an mir nicht. Die hintere, blonder Pferdeschwanz, provozierend sportlich, blickt herab zu mir und fragt Anteil nehmend: "Ist alles in Ordnung bei Ihnen? Brauchen Sie Hilfe?" Meine charmante Begleitung hat noch später auf dem Gipfel gelacht. Joachim Käppner

© SZ/nas
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