Kolumne „Mitten in …“Karibische Weihnachten

Lesezeit: 2 Min.

Marc Herold

Ein SZ-Autor paddelt auf Aruba mit dem Kajak an einen Strand – und findet sich plötzlich umgeben von Soldaten mit Gewehren und einem Weihnachtsmann. Drei Anekdoten aus aller Welt.

Mitten in ... Aruba

30 Grad, Palmen, weißer Sand: So hatte man sich den Karibik-Urlaub erträumt. Doch was ist das? Ein Militärboot rauscht an der Küste vorbei, an Bord sind schwer bewaffnete Soldaten – und ein Weihnachtsmann in voller Montur. Etwas später brechen wir zu einer Kajaktour zu einem nahegelegenen Strand auf, wo es eine Bar geben soll. Früher als erwartet sind wir am Ziel und ziehen das Boot an Land. Familien mit Kindern sind da, es gibt eine Hüpfburg, Pfannkuchen und einen Plastik-Weihnachtsbaum. Der Weihnachtsmann vom Militärboot ist auch anwesend. Alle sprechen Holländisch. Ein Mann in khakifarbener Kleidung schaut streng und sagt: „Sie dürfen hier nicht sein, das ist militärisches Sperrgebiet!“ Es sieht hier zwar aus wie ein Ferienparadies, aber wir haben aus Versehen die Adventsfeier der auf Aruba stationierten niederländischen Marine gestürmt. Titus Arnu

Marc Herold

Mitten in … München

Es ist ein scheußlicher Winterabend: grau, nass – und in dieser Wohnstraße im Münchner Osten auch sehr laut. Vier junge Frauen streiten ausdauernd und in hoher Stimmlage miteinander. Ein Anwohner brüllt seinen Wunsch nach Ruhe und ein paar grobe Beleidigungen dazwischen. Irgendwann rollt ein Streifenwagen der Polizei heran, die Frauen sammeln sich rund ums geöffnete Autofenster und schildern aufgeregt ihre jeweils eigene Sicht der Dinge in dem Streit, der sich anscheinend um Schuhe dreht. Kurz ist danach Ruhe, doch jedes Mal, wenn die Polizei weiterfahren möchte, geht es wieder von vorn los. Irgendwann hallt eine fünfte junge Frauenstimme durch die Straße – sie kommt aus dem Lautsprecher des Polizeiwagens: „Jetzt hört doch mal auf, meine Güte! Sind wir denn hier im Kindergarten?!“ Und dann wird es doch endlich still. Barbara Mooser

Marc Herold

Mitten in … Kapstadt

Auf Tour in Langa, der ältesten Township Kapstadts, heute touristenfreundlich mit Kunstzentrum und guten Restaurants. Im Anschluss empfiehlt der Guide einen Ort zum Essen – natürlich Fleisch. Er kommt auf ein Bier mit. Er sei „born and bred“ in Langa, erzählt er. Und wohne hier mit seinen Eltern zusammen. Doch er sei auch mal zehn Jahre in Johannesburg gewesen, um Geld zu verdienen. Warum er wieder zurück ist, fragt man. Hat es ihm nicht gefallen? „Na ja, ich wurde angeschossen.“ Er springt auf, zieht sein T-Shirt hoch und zeigt, wo die Kugel ein- (an der Seite) und wieder ausgetreten ist (am Rücken). Sie hat alle wichtigen Organe verfehlt. Ein Typ wollte sein Auto klauen und überfiel ihn mit einer Pistole. „Danach habe ich gesagt: ‚Fuck the money!‘ Und bin zurück.“ Es gibt schlechtere Gründe, wieder zu den Eltern zu ziehen. Joshua Beer

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In Heilbronn zieht neuerdings ein spezielles Team durch die Straßen, um Müllsünder zu ermahnen. Erster Impuls: Verfolgungseifer! Aber es kann doch eigentlich nicht so schwer sein, seinen Abfall einfach in die Tonne zu werfen.

SZ PlusVon Marcel Laskus

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