Mitten in ... Arcachon
Die ruhige Wohnstraße gleich beim Strand von Arcachon ist eine beliebte Gassistrecke. An diesem strahlenden Morgen ist ein eleganter älterer Herr unterwegs, zu Leinenhemd und -hose trägt er einen Strohhut, an der Leine folgt ihm ein Scotch Terrier. Wobei folgen – das ist nicht ganz der richtige Ausdruck. Auf einmal stemmt das fluffige Tierchen seine kurzen Beine in den Boden, geht keinen Millimeter weiter, der Blick ist rebellisch. Da wird das Herrchen laut – und singt mit schöner, leicht brüchiger Tenorstimme „J’ai perdu mon Eurydice“ aus Christoph Willibald Glucks Oper „Orphée et Eurydice“. In dem Musikstück rühren Orpheus’ Arie und seine Verzweiflung Amor so sehr, dass er Eurydice erneut zum Leben erweckt. Im richtigen Leben setzt sich immerhin das störrische Hündchen langsam wieder in Bewegung. Barbara Mooser

Mitten in ... Maribor
Die Online-Kommentare über das Restaurant sind verlockend: „Nichts für schwache Nerven“ – „skurril“ – „Stock im Arsch, dann bleibst du lieber zu Hause!“ Sie beziehen sich auf den Chef, laut Homepage ein „Rockstar“, laut Google-Rezensent Manuel S. „ein ‚crazy guy‘ mit einem Humor, der schwarzer ist als die Nacht“. Nach ein paar Gängen tritt er auf, verlotterter Look, könnte auch Koch bei der Addams Family sein. Dann fuchtelt er mit einer Riesenpfeffermühle vor dem Kellner herum („Das hat er auch zwischen den Beinen“), sagt einer Gästin, sie habe „falsch geheiratet“, während ihr Mann danebensitzt, spielt „Life is Life“ von Laibach, nötigt alle zum Tanzen und schneidet mit den Herren Blumen beim Nachbarn ab. Für die Damen. Im Laufe der „crazy“ Show offenbart sich dann ihr eigentlicher Witz: Sie dauert fünfeinhalb Stunden. Joshua Beer

Mitten in ... Riva del Garda
Plopp! Die EC-Karte verschwindet im Parkautomaten, und man erkennt: Ein Lesegerät ist da nicht drin, die Karte aber eben schon. Panik setzt ein. Ein freundlicher Italiener bietet sich an, die aufgedruckte Hotline anzurufen und ein Gespräch mit der für „Informazioni“ zuständigen Person zu führen. Geduld sei vonnöten, übersetzt er für den deutschen Touristen, dann komme ein Techniker mit Schlüssel. Tatsächlich erscheint schon fünf Minuten später ein solcher, aber ohne Schlüssel. Der sei später am Tag verfügbar, wir würden angerufen. Auf dem Weg in die Innenstadt wird erst mal die Karte gesperrt, man weiß ja nie! Eine Stunde später der Anruf, die Karte wurde geborgen, die Übergabe könne in einem Café stattfinden. Klappt reibungslos. Trinkgeld? Der Mann lehnt höflich ab, bei uns setzt ein leichtes Schamgefühl ein. Und wie entsperrt man jetzt bitte eine EC-Karte? Jörg Buschmann
Weitere Folgen der Kolumne „Mitten in …“ finden Sie hier.

