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Kolumne "Mitten in":Guten Giorno!

In Antholz herrscht Sprachverwirrung, in Stuttgart herrscht Unmut über Gerümpel und in Marktoberdorf herrscht Verzweiflung auf dem Klo.

Mitten in... Antholz

Illustration: Marc Herold

Ganz am Ende des engen Tals an einem grünen Bergsee auf 1642 Metern Meereshöhe steht plötzlich ein großes Stadion zwischen den hohen Bergen. Antholz ist nicht irgendein Ort, hier findet in jedem Winter ein Biathlon-Weltcup mit mehr als 15 000 Zuschauern statt. Zur österreichischen Grenze ist es nicht mehr weit, das Antholzer Tal gehört aber offiziell zu Italien, seit ziemlich genau hundert Jahren. Hier ist alles zweisprachig, auch der Ortstame: Antholz heißt auf Italienisch Anterselva. Doch auch nach einem Jahrhundert akzeptieren das nicht alle. Vor dem Bauernhof mit Ferienwohnungen weht nur die weiß-rote Flagge Tirols. Morgens beim Frühstück in der 150 Jahre alten Stube schaut der Bauer verwundert, wenn die Gäste "Buongiorno" sagen. Noch bevor er den Kaffee einschenkt, mahnt er: "Wir sprechen hier deutsch, fratelli." Caspar Busse

Mitten in... Stuttgart

Illustration: Marc Herold

Fast jeden Tag stellt im Stuttgarter Westen irgendwer alten Hausrat vor die Tür. Mal kommentarlos, mal mit der Aufschrift "Zum Verschenken" - was ein Schreibfehler sein könnte, aber auch die charmante Aufforderung, den Krempel auch dann mitzunehmen, wenn man ihn selbst nicht brauchen kann, und halt andere damit zu beglücken. Verwaiste Bügelbretter, Duschvorhänge und alte Koffer verschwinden oft innerhalb eines Tages. Für den Röhrenfernseher aber interessiert sich niemand. Einen Schwaben der alten Schule treibt das in den Wahnsinn. "Wer soll den jetzt entsorgen????", fragt er die Hausgemeinschaft handschriftlich und mehrfach rot umrahmt. Doch den Übeltäter beeindruckt der Aushang nicht. Ein paar Tage später ist immerhin die Fernbedienung weg. Der Fernseher bleibt und wird mit einer ausgedrückten Kippe dekoriert. Claudia Henzler

Mitten in... Marktoberdorf

Illustration: Marc Herold

Der Regionalzug fährt pünktlich, das Personal wirkt nun, in Corona-Zeiten, besonders hilfsbereit, nur die moderne Toilette macht manchem Fahrgast Kopfzerbrechen. Statt der altbekannten Verriegelung per Hand soll jetzt alles per Knopfdruck gehen: Leuchtet es rot, ist die Tür abgeschlossen, leuchtet es grün, ist sie entriegelt. Das sieht man aber leider nur von draußen, nicht, wenn man bereits auf der Schüssel sitzt. Um sicherzugehen, dass sie den richtigen Knopf drückt, bittet eine Frau deshalb die umstehenden Passagiere, ihr zuzurufen, ob die große, breite Tür wirklich verriegelt ist. Sie habe schlechte Erfahrungen gemacht. Man hilft ihr gerne und bestätigt, ja, die Tür ist zu. Geschafft. In dieser Sekunde knarzt der Lautsprecher : "Nächster Halt: Marktoberdorf. Achtung, die Türen öffnen automatisch." Hoffentlich nur die Türen nach draußen. Cristina Marina

© SZ/nas
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