Kolumne „Mitten in …“Schnapsidee am Steuer

Lesezeit: 2 Min.

Illustration: Marc Herold

Eine SZ-Redakteurin wird in München vom ADAC abgeschleppt und gerät an einen Fahrer mit einer fetten Erkältung. Doch der Mann weiß sich hochprozentig zu helfen. Drei Anekdoten aus aller Welt.

SZ bei Google bevorzugen

Mitten in ... München

Das Auto macht Zicken und muss abgeschleppt werden. Der Mann vom ADAC wäre allerdings besser im Bett geblieben, er keucht und hustet und hat glasige Augen. Auf halber Strecke klingelt sein Handy, „meine Mama aus Rumänien“, da müsse er rangehen. „Wenn ich krank bin und nicht abnehme, denkt sie, ich wäre gestorben.“ Sterben ist aber nicht sein Ding, er tötet lieber, die Viren nämlich, mit seiner Balkan-Spezialmedizin: „Schnaps mit Pfeffer und Salz“, habe er alles dabei, hinten, im Türfach, „trinkst du und bist morgen gesund“. Schluck! Ist die Fahrt nicht die ganze Zeit schon verdächtig ruckelig? Und da vorne kommt ein Kreisverkehr, wäre es nicht langsam Zeit, die Geschwindigkeit ... Der Fahrer bremst sanft runter und sagt: „Schade, dass ich einen Job mit Auto habe.“ Die Pfefferschnapskur muss bis nach Feierabend warten. Gute Besserung! Nadeschda Scharfenberg

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Heidelberg

Im Bus in Heidelberg steht ein Mann, augenscheinlich Vater, mit einer hohen, um nicht zu sagen unübersichtlichen Anzahl an Kindern. Die hat er taktisch auf freie Sitze platziert, wo sie ihr Ding machen. Der Mann hält sich wie ein Ertrinkender an einer Stange fest, was nur verständlich ist für einen, der sich mit derartigem Ballast durch die Stadt bewegt. Den unvermeidlichen Ausstieg koordiniert er zunächst mit Bravour, doch draußen schweift sein Blick über den Nachwuchs, er wird panisch, springt wieder in den Bus, rennt nach vorn. Fahrer und Fahrgäste werden nervös. Ihm fehlt ein Kind! Hat es den Einstieg in den Bus verpasst? Oder wurde es ganz zu Hause vergessen? Hat er wirklich richtig gezählt? Schließlich entdeckt er es: auf einem hinteren Sitz, unbeschwert am Handy. „Gott sei Dank“, sagt jemand. Und zumindest vom Bus fällt Ballast ab. Joshua Beer

Illustration: Marc Herold

Mitten in … Wien

Der Ursprung der Welt liegt im Keller. Genauer gesagt im Untergeschoss des Leopold-Museums, in Raum 5 der Gustave-Courbet-Ausstellung. Dort hängt das berühmteste Gemälde des französischen Realisten: „L’Origine du monde“ zeigt einen nackten Frauentorso mit gespreizten Beinen. Hinter zwei Scheiben und mit eigener Aufpasserin, sicher ist sicher. Lange Zeit wurde es als Skandalbild verunglimpft und versteckt. Jetzt sehen es alle: Alte Männer und junge Frauen, Studierende und Städtetouristinnen gehen mit möglichst kunstaffinem Blick daran vorbei. Und nur ganz beiläufig zücken viele ihr Handy. Dann kommt eine Mutter mit zwei kleinen Jungen in den Raum. Die beiden scheinen einen langen Tag hinter sich zu haben, ihre Blicke sind weniger kunstsinnig als unendlich müde. Daran vermag selbst der Ursprung der Welt nichts zu ändern. Josef Grübl

Weitere Folgen der Kolumne „Mitten in …“ finden Sie hier.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Overtourism
:„Ein japanisches Pärchen hat plötzlich Hochzeitskleider angezogen“

Die „Eismeerkathedrale“ in Tromsø ist ein beliebtes Fotomotiv bei Kreuzfahrttouristen, manchen mangelt es an Respekt. Der deutsche Organist Thorsten Ahlrichs, der dort seit einem Jahr arbeitet, hat schon einige skurrile Szenen erlebt.

SZ PlusInterview von Martin Zips

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: