Mitten in ... München
Das Auto macht Zicken und muss abgeschleppt werden. Der Mann vom ADAC wäre allerdings besser im Bett geblieben, er keucht und hustet und hat glasige Augen. Auf halber Strecke klingelt sein Handy, „meine Mama aus Rumänien“, da müsse er rangehen. „Wenn ich krank bin und nicht abnehme, denkt sie, ich wäre gestorben.“ Sterben ist aber nicht sein Ding, er tötet lieber, die Viren nämlich, mit seiner Balkan-Spezialmedizin: „Schnaps mit Pfeffer und Salz“, habe er alles dabei, hinten, im Türfach, „trinkst du und bist morgen gesund“. Schluck! Ist die Fahrt nicht die ganze Zeit schon verdächtig ruckelig? Und da vorne kommt ein Kreisverkehr, wäre es nicht langsam Zeit, die Geschwindigkeit ... Der Fahrer bremst sanft runter und sagt: „Schade, dass ich einen Job mit Auto habe.“ Die Pfefferschnapskur muss bis nach Feierabend warten. Gute Besserung! Nadeschda Scharfenberg

Mitten in … Heidelberg
Im Bus in Heidelberg steht ein Mann, augenscheinlich Vater, mit einer hohen, um nicht zu sagen unübersichtlichen Anzahl an Kindern. Die hat er taktisch auf freie Sitze platziert, wo sie ihr Ding machen. Der Mann hält sich wie ein Ertrinkender an einer Stange fest, was nur verständlich ist für einen, der sich mit derartigem Ballast durch die Stadt bewegt. Den unvermeidlichen Ausstieg koordiniert er zunächst mit Bravour, doch draußen schweift sein Blick über den Nachwuchs, er wird panisch, springt wieder in den Bus, rennt nach vorn. Fahrer und Fahrgäste werden nervös. Ihm fehlt ein Kind! Hat es den Einstieg in den Bus verpasst? Oder wurde es ganz zu Hause vergessen? Hat er wirklich richtig gezählt? Schließlich entdeckt er es: auf einem hinteren Sitz, unbeschwert am Handy. „Gott sei Dank“, sagt jemand. Und zumindest vom Bus fällt Ballast ab. Joshua Beer

Mitten in … Wien
Der Ursprung der Welt liegt im Keller. Genauer gesagt im Untergeschoss des Leopold-Museums, in Raum 5 der Gustave-Courbet-Ausstellung. Dort hängt das berühmteste Gemälde des französischen Realisten: „L’Origine du monde“ zeigt einen nackten Frauentorso mit gespreizten Beinen. Hinter zwei Scheiben und mit eigener Aufpasserin, sicher ist sicher. Lange Zeit wurde es als Skandalbild verunglimpft und versteckt. Jetzt sehen es alle: Alte Männer und junge Frauen, Studierende und Städtetouristinnen gehen mit möglichst kunstaffinem Blick daran vorbei. Und nur ganz beiläufig zücken viele ihr Handy. Dann kommt eine Mutter mit zwei kleinen Jungen in den Raum. Die beiden scheinen einen langen Tag hinter sich zu haben, ihre Blicke sind weniger kunstsinnig als unendlich müde. Daran vermag selbst der Ursprung der Welt nichts zu ändern. Josef Grübl
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