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Misshandlungsvorwurf:Berliner Polizisten freigesprochen

Wollte er sich nur selbst schützen oder wurde er tatsächlich von zwei Polizisten geschlagen und anschließend auf einen Müllhaufen geworfen? Ein illegaler Zigarettenhändler hatte die Beamten aus Berlin wegen Körperverletzung im Amt angezeigt. Selbst aussagen konnte er im Prozess allerdings nicht.

Die beiden Männer waren angeklagt, einen illegalen Zigarettenhändler misshandelt und dann auf einen Müllhaufen am Stadtrand geworfen zu haben: Ein Berliner Amtsgericht hat zwei Polizisten jetzt von diesem Vorwurf freigesprochen. "Kein einziger Vorwurf war nachzuweisen", urteilte der Richter. Die Staatsanwältin hatte 15 Monate Haft mit Bewährung beantragt.

Die Anklägerin sprach von einer Art Selbstjustiz. Die Beamten handelten ihrer Ansicht nach aus Wut auf Straftäter, die trotz Verweisen immer weiter illegale Zigaretten verkaufen. Das Gericht orientierte sich an den Aussagen der Polizisten, die nicht zu widerlegen waren. Nach Angabe der 30 und 35 Jahre alten Männer wollte der Zigarettenhändler fliehen, als er am U-Bahnhof Parchimer Allee in Berlin-Neukölln festgenommen wurde. Er sei dabei gestürzt, erklärten die Beamten.

Weil der Mann schon tags zuvor erwischt worden sei, sei ihm erneut ein Platzverweis erteilt worden. Anschließend sei er, um eine schnelle Rückkehr zu verhindern, weggefahren worden - jedoch ohne jegliche Misshandlung, beteuerten die Polizisten.

Der Zigarettenhändler wurde inzwischen aus Deutschland abgeschoben und konnte nicht als Zeuge vernommen werden. Denkbar sei, dass er die Polizisten in einer damaligen Vernehmung belastet habe, um sich selbst zu schützen, argumentierte das Gericht.

Der 21-Jährige hatte aber nur von Schlägen im Auto gesprochen. Auf Aussagen einer Augenzeugin, die von Ferne Schläge auch außerhalb des Autos gesehen haben will, war das Urteil wegen Widersprüchlichkeiten nicht zu stützen, wie das Gericht erklärte. Ein untersuchender Arzt hatte im Prozess zudem gesagt, es habe am Körper des Mannes keine Verletzungen gegeben, die auf heftige Faustschläge hindeuteten.

© sueddeutsche.de/dpa/leja/segi
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