Süddeutsche Zeitung

Misshandlung im Jugendgefängnis:Leid, das nicht vergeht

Sie folterten ihn, verbrühten ihn mit heißem Wasser: Das Opfer der Folter im Jugendgefängnis hat vor Gericht über die Qualen gesprochen. Noch immer sitzt der Schmerz tief.

Die Erinnerungen an die schrecklichen Qualen sind nach wie vor lebendig: Das Opfer des Folterskandals im Jugendgefängnis von Regis-Breitingen in Sachsen leidet nach eigenen Angaben stark unter den Folgen der Misshandlungen. "Ich bin heute noch in psychologischer Behandlung", sagte der 19-Jährige im Landgericht Leipzig.

Als Zeuge schilderte er ausführlich, wie die 17 und 26 Jahre alten angeklagten Fifra N. und Patrick B. ihn 2008 im Jugendgefängnis quälten. Während seiner Aussage bricht er immer wieder in Tränen aus. Zweifellos: Die Ereignisse vom Mai 2008 haben tiefe Spuren hinterlassen.

Um Fassung ringend berichtet der junge Mann, der inzwischen als Aushilfe in einem Supermarkt arbeitet, dem Gericht von den entwürdigenden Folterspielen. So hätten die beiden Angeklagten unter anderem seinen Rücken mit heißem Wasser übergossen.

Während der Befragung im Zeugenstand bestätigte er auch die frühere Aussage, dass die Mithäftlinge ihn in den Selbstmord hätten treiben wollen. Die beiden Angeklagten müssen sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Verhandlung wieder verzögert

Der Prozess hatte sich am zweiten Verhandlungstag erneut verzögert, weil ein Gutachter aus Baden-Württemberg nicht rechtzeitig im Gericht angekommen war. Der Gutachter war bereits am erstem Verhandlungstag für eine Vertagung des Prozesses gesorgt: Weil er den Gerichtstermin vergessen hatte, war er gar nicht erst angereist.

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sueddeutsche.de/dpa/kred/segi
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