Missbrauchsvorwürfe Vorerst kein Prozess gegen Kevin Spacey

  • Dem Schauspieler Kevin Spacey werden mehrere sexuelle Übergriffe vorgeworfen.
  • In einem Fall aus dem Jahr 1992 wird es nicht zur Anklage kommen, wegen Verjährung, teilte die Staatsanwaltschaft in Los Angeles mit.
  • Auch in zwei weitereren Fällen, bei denen Hollywood-Darstellern sexueller Missbrauch vorgeworfen wird, wird es nicht zu einem Prozess kommen.

Vor knapp einem Jahr wurden erste Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Kevin Spacey laut. Mehrere Behörden ermitteln, die Karriere des Schauspielers liegt seither auf Eis. Bis jetzt musste sich der 59-Jährige aber nicht vor Gericht verantworten. In einem Fall, der 1992 stattgefunden haben soll, wird es nicht zur Anklage kommen. Der Fall sei verjährt, teilte die Staatsanwaltschaft in Los Angeles am Dienstag mit. Ein zum Tatzeitpunkt volljähriger Mann hatte angegeben, vor 26 Jahren von Spacey belästigt worden zu sein.

Anders als im Fall des Schauspielers Anthony Rapp. Der heute 46-Jährige wirft Spacey vor, ihn im Alter von 14 Jahren sexuell belästigt zu haben. Als die Anschuldigungen im Oktober vergangenen Jahres publik wurden, reagierte Spacey mit einer Entschuldigung und behauptete, sich an nichts erinnern zu können. Rapp war der Erste, der sich öffentlich gegen Spacey geäußert hat. Auf ihn folgten weitere Männer, die Vorwürfe gegen Spacey vorbrachten. Die juristische Auseinandersetzung mit den Vorwürfen hat also gerade erst richtig begonnen.

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Eine weitere Anklage gegen Spacey, die sich auf einen Übergriff im kalifornischen Malibu im Jahre 2016 bezieht, wird derzeit noch geprüft. Parallel ermittelt die Polizei in Großbritannien wegen Sexualdelikten gegen Kevin Spacey. Der Amerikaner übernahm 2004 die künstlerische Leitung des Old Vic Theatre, feierte dort bis 2015 zahlreiche Erfolge und wurde 2016, nachdem er die britische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, zum Knight Commander of the British Empire ernannt. In dieser Zeit war es laut Mitarbeitern des Theaters ein offenes Geheimnis, dass Spacey junge Männer oft intim berührte, sei es im Theater, in seiner Londoner Wohnung oder im Pub.

Ein Mann hatte Spacey 2017 bei Scotland Yard angezeigt, weil dieser sich 2008 an ihm vergangen habe: Der damals 23jährige war von dem Schauspieler zu sich nach Hause eingeladen worden und auf seinem Sofa eingeschlafen. Als er aufwachte, sei Spacey dabei gewesen "einen sexuellen Akt" an ihm zu verüben. Bevor er aus der Wohnung geflohen sei, habe Spacey ihn angewiesen "niemandem davon zu erzählen". Zwischen Februar und April dieses Jahres erstatteten fünf weitere Männer in Großbritannien wegen sexueller Delikte Strafanzeige gegen Kevin Spacey. Einer der Übergriffe soll bereits 1996 in Westminster geschehen sein. Auf eine Abweisung der Klage wie in Los Angeles kann Spacey hier aber nicht hoffen - das britische Strafrecht kennt keine Verjährung.

Spacey hat sich inzwischen aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Er teilte mit, eine Therapie machen zu wollen. Netflix hatte Spacey nach Aufkommen der Vorwürfe entlassen. Regisseur Ridley Scott drehte Filmszenen von "Alles Geld der Welt", in denen Spacey auftauchte, mit einem anderen Schauspieler nach. In der vergangenen Woche veröffentliche das Internetmagazin Net-A-Porter ein Gespräch mit Robin Wright. Spaceys Schauspielpartnerin in "House of Cards" deutet darin an, sich eine schauspielerische Rückkehr Spaceys vorstellen zu können. "Ich denke, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, sich zu bessern. An eine zweite Chance oder wie man es nennen möchte, glaube ich."

Im Fall zweier weiter Hollywood-Schauspielers kommt es ebenfalls nicht zu einer Anklage wegen sexueller Straftaten. Auch bei Steven Seagel, gegen den wegen Missbrauchs ermittelt worden ist, wird es offenbar nicht zu einer Anklage kommen, weil der Fall verjährt ist. Eine Frau hatte angegeben, 1993 als 18-Jährige von Steven Seagal missbraucht worden zu sein. Seagal ist vor allem für seine Rollen in Actionfilmen bekannt. Wie die Staatsanwaltschaft in Los Angeles weiter mitteilte, sieht die Behörde auch von einer Anklage gegen den Schauspieler und Komiker Anthony Anderson ab. Das angebliche Opfer habe nicht mit den Ermittlern kooperiert, um den Fall vor Gericht zu bringen, so die Ermittler.

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