Missbrauchsprozess in Koblenz:Detlef S. legt Geständnis ab

Überraschende Entwicklung im Prozess gegen den "deutschen Fritzl": Der 48-jährige Angeklagte gibt die rund 160 Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung gegen seine drei Kinder zu.

Kurz vor Ende des Missbrauchsprozesses vor dem Koblenzer Landgericht hat der angeklagte Familienvater überraschend ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Der wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs angeklagte Detlef S. am 17.03.2011  im Landgericht in Koblenz: Kurz vor Ende des Missbrauchsprozesses hat der angeklagte Familienvater überraschend ein umfassendes Geständnis abgelegt. (Foto: dpa)

Der 48-Jährige aus Fluterschen im Westerwald gebe alle Vorwürfe aus dem Plädoyer der Anklage zu, sagte sein Verteidiger. Dabei geht es um rund 160 Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung sowie Beihilfe zu diesen Taten.

Opfer waren drei seiner Kinder - eine heute 18 Jahre alte Tochter, eine 27 Jahre alte Stieftochter und deren Zwillingsbruder. Beide Töchter soll er zudem an fremde Männer zum Sex verkauft haben. Bislang hatte der Angeklagte nur die Übergriffe auf seine Tochter eingeräumt und zugegeben, sieben Kinder mit seiner Stieftochter gezeugt zu haben.

Der Verteidiger beantragte eine Haftstrafe von neuneinhalb Jahren für seinen Mandanten. Anders als die Staatsanwaltschaft lehnte er eine anschließende Sicherungsverwahrung ab - der 48-Jährige aus Fluterschen stelle keine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Staatsanwalt und Nebenklage hatten in der Vorwoche 14 Jahre und 6 Monate Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung für den Angeklagten gefordert. Dass der 48-Jährige voll schuldfähig ist, hatte ein Gutachter bereits zuvor attestiert und auf das antisoziale und manipulierende Verhalten des Angeklagten hingewiesen. Ein Urteil wird für Dienstag erwartet.

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