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Miss Germany:Zirkus Krönchen: Kinder, Tiere, Meniskusverletzung

Wahl der 'Miss Germany 2017' in Rust

Lächeln müssen alle, auch die Zweit- (Aleksandra Rogovic, Niedersachsen, rechts) und Drittschönste (Sarah Strauß, Bremen) Deutschlands.

(Foto: dpa)

Soraya Kohlmann ist die neue Miss Germany. In einem Punkt enttäuscht die Schülerin aus Sachsen allerdings ihr Publikum: Sie spricht renitent dialektfrei.

Von Roman Deininger

Als alles vorbei ist, die Hymne abgespielt und die Krone aufs Haupt montiert, erlebt die neue Miss Germany erstmals den Druck ihres Amtes. Pressekonferenz, mehr Anklage als Frage: Du kommst ja aus Sachsen. Wo ist eigentlich dein Dialekt? Soraya Kohlmann, 18, pariert blitzsauber: "Meine Mama ist aus dem Westen."

Die Miss-Germany-Wahl feiert dieses Jahr 90. Jubiläum, bei der ersten Auflage 1927 im Berliner Sportpalast saßen Heinrich Mann und Marlene Dietrich in der Jury. 2017 treten im Europapark im badischen Rust der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach und Fernsehanwalt Ingo Lenßen in ihre Fußstapfen.

Die 21 Kandidatinnen werben mit üblichen ("Zu meinen Hobbys zählen Mode und Lifestyle") und unüblichen ("Schade, dass bei Wallfahrten auf Latein gepredigt wird") Argumenten für sich. Miss NRW punktet mit einem schockierenden Geständnis: "Ich schlafe unglaublich gerne und viel." Die Möglichkeit, bei Live-Fragen was Blödes zu sagen, ist durch zahlreiche Videoeinspieler minimiert.

"Mir persönlich liegen Tiere und Kinder besonders am Herzen"

Für die weltpolitische Fangfrage muss Miss Berlin herhalten, sie ist als Regierungsinspektorin speziell qualifiziert. Also, für wen würdest du protestieren gehen? "Mir persönlich liegen Tiere und Kinder besonders am Herzen." Tiere, Kinder, große Zustimmung im Saal. Miss Mecklenburg-Vorpommern ist die Miss der Herzen, eine Meniskusverletzung raubt ihr Grazie, aber schenkt ihr Sympathie. Besondere Beachtung findet auch Miss Süddeutschland, die eine massive Doppelbelastung schultert: Sie buhlt aktuell auch um die Gunst des RTL-Bachelors. Das Vermarktungspotenzial einer Miss hat sie vorbildlich ausgeschöpft und es etwa zu der hübschen Boulevard-Schlagzeile gebracht: "Viola Kraus wollte Dates - Münchner Männer trauten sich aber nicht."

Soraya Kohlmann ist jetzt so was wie eine Bundesprinzessin mit Jahresvertrag: Fotoshootings, Leasingauto, im besten Fall Audienz bei Papst Franziskus, im unwesentlich schlechteren Golfturnier mit Kaiser Franz. Am Bühnenrand gibt Wolfgang Bosbach Einblick ins Jury-Votum: Als Innenpolitiker fühle er sich ja für innere Werte zuständig. Aber am Ende musste halt "ein Gesamtpaket entscheiden".

Kurz vor Mitternacht erläutert die neue Miss Germany - freundlich und renitent dialektfrei - ihr Regierungsprogramm: "Ich will Deutschland mit Offenheit und Herzlichkeit repräsentieren." Zunächst muss sie aber entscheiden, ob sie ihr eigentlich anstehendes Abitur wegen ihrer neuen Pflichten um ein Jahr verschiebt.

© SZ vom 20.02.2017/leja
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