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Kriminalität:Rückkehr eines Clan-Chefs

Bamf will schnell über Asylantrag von Clan-Mitglied entscheiden

Einem Mitglied des Miri-Clans werden im Landgericht in Bremen von einem Justizbeamten die Handschellen abgenommen. Der angebliche Clan-Chef ist wieder in der Stadt.

(Foto: dpa)

Er gilt als Kopf des Miri-Clans: Im Sommer wurde der Bremer Imbrahim Miri in den Libanon abgeschoben. Nun ist er wieder in Bremen - und hat erneut einen Asyl-Antrag gestellt.

Die Polizei kam vor dem Morgengrauen. Um 3.40 Uhr am 10. Juli sollen Spezialbeamte den Libanesen Ibrahim Miri, 46, aus dem Bett geklingelt, in einen Hubschrauber verfrachtet und zum Berliner Flughafen Schönefeld geflogen haben, wo schon die Maschine in den Libanon wartete: Abflug kurz vor halb sieben. Miri gilt als Kopf des sogenannten Miri-Clans, der in Bremen ansässig und in einigen anderen Städten aktiv ist, mehr als 2000 Mitglieder zählen soll und dem viele kriminelle Handlungen vorgeworfen werden.

Miri selbst war Chef der verbotenen Rocker-Bande Mongols MC, 2014 wurde er wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Im Dezember 2018 kam er auf freien Fuß, die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die Abschiebeaktion des Clan-Chefs werteten Politik und Polizei als großen Erfolg. Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, nannte sie "ein herausragendes Beispiel polizeilicher Arbeit". Nun aber ist Ibrahim Miri trotz eines Einreise- und Aufenthaltsverbots wieder in Bremen - und will juristisch um ein Bleiberecht kämpfen.

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Details zu seiner Rückkehr aus dem Libanon nach Deutschland sind noch nicht bekannt, die Empörung aber ist groß. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte der Zeitung Bild, ihn mache es "wütend, wie ein krimineller Clan-Chef versucht, unseren Rechtsstaat lächerlich zu machen". Die FDP-Innenpolitikerin Birgit Bergmann findet, "solche Fälle schaden der Akzeptanz des Asyl- und Aufenthaltsrechts".

Schiitische Milizen bedrohten ihn mit dem Tod, sagt Miri. Nun muss das Bamf entscheiden

Miri hatte sich im Beisein eines Anwalts in der Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Bremen-Nord selbst angezeigt, weil er ohne Visum und Pass nach Deutschland eingereist sei. Sein Rechtsanwalt Albert Timmer, den der in Bremen erscheinende Weser-Kurier zitiert und der für die Süddeutsche Zeitung am Freitag nicht zu erreichen war, hält die Abschiebung vom Sommer "in einer Nacht- und Nebelaktion" für unrechtmäßig. Dem Bericht zufolge will Miri erneut einen Asylantrag stellen. Der Grund: Todesdrohungen durch schiitische Milizen in seinem Heimatland.

Rechtsanwalt Timmer verweise in einem Schreiben darauf, dass sein Mandant nach der Haft in Bremen ein neues Leben begonnen habe, mit Job und guter Sozialprognose, was bei der übereilten Abschiebung nicht berücksichtigt worden sei. Außerdem sei ihm das Recht verwehrt worden, gegen die Maßnahme juristisch vorzugehen. Miri wurde noch in der Bamf-Stelle festgenommen und sitzt nun auf Antrag der Bremer Innenbehörde in Abschiebehaft. Über seinen Antrag will die Nürnberger Bamf-Zentrale rasch entscheiden.

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