Milliardär Flick Geraubter Leichnam in Ungarn gefunden

Ein Jahr nach dem Grabraub haben Ermittler die mutmaßlichen Überreste von Friedrich Karl Flick in Ungarn entdeckt. Eine spektakuläre Suche geht zu Ende.

Von Martin Zips

Zumindest der Zinnsarg des Milliardärs ist also wieder da. Am Sonntag soll er in einer Aktion österreichischer und ungarischer Ermittler in Ungarn gefunden worden sein. "Es muss aber noch geklärt werden, ob die Knochen, die sich in ihm befinden, auch tatsächlich Friedrich Karl Flick gehörten", sagt Jörg-Andrreas Lohr, Vorstandsvorsitzender der Flick-Privatstiftung in Düsseldorf.

Ein Jahr nach dem Raub ist der Sarg von Friedrich Karl Filck wieder aufgetaucht.

(Foto: Foto: dpa)

Es geschah zwischen dem 12. und 14. November 2008 auf dem Friedhof im österreichischen Velden am Wörthersee: Unbekannte drangen in das Mausoleum des deutschen Unternehmers Friedrich Karl Flick, genannt FKF, ein und stahlen den Sarg des im Oktober 2006 verstorbenen Mehrfach-Milliardärs.

Drei jeweils 300 Kilogramm schwere Granitplatten und der 200 Kilogramm schwere Zinnsarg mit dem Leichnam mussten gehoben werden, Platten und Inschrift wurden beschädigt, eine Augenzeugin meldete sich - sie habe einen weißen Kastenwagen gesehen, berichtete sie.

Tage und Wochen nach dem spektakulären Grabraub wurden die Meldungen immer skurriler. Erst behauptete ein Anwalt aus Nürnberg, seine Klientin, eine Wahrsagerin, wisse wo die Leiche ist. Gegen den Mann wurde später ein Verfahren wegen versuchter Erpressung eingeleitet.

Ein "Kronzeuge" vom Mittelmeer

Sodann spekulierten Revolverblätter, ein DNS-Räuber könne hinter der Aktion stecken. Sein Ziel sei es, mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks seine Verwandtschaft mit dem Milliardär zu beweisen. Dann meldete sich ein angeblicher "Kronzeuge" von einer Mittelmeerinsel, gab eifrig Interviews, wusste allerdings auch so recht nicht weiter. Zuletzt vermuteten österreichische Polizei-Spezialkräfte den Flick-Sarg in einer Scheune im Burgenland. Nach einer siebenstündigen Suchaktion zogen auch sie sarglos ab.

Vor wenigen Tagen stellte die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ihre Ermittlungen in Sachen "Flick-Leiche" ein. Der Tatbestand "Störung der Totenruhe" sei nach einem Jahr verjährt, hieß es.

Am Montag bestätigte Alexander Mrarakovits vom österreichischen Bundeskriminalamt in Wien der Süddeutschen Zeitung den Fund des gesuchten Flick-Sarges "irgendwo in Ungarn". Unklar blieb, woher der entscheidende Hinweis kam, ob beziehungsweise wie viele Täter genau festgenommen wurden. Gemutmaßt wird: sechs Personen ungarischer und rumänischer Herkunft, die mit dem Raub Millionen erpressen wollten. Das allers könne aus ermittlungstechnischen Gründen noch nicht gesagt werden, so Marakovits.

Seine Kollegen vom Kärntner Landeskriminalamt und dem Landespolizei-Kommando jedenfalls klagen eher eifersüchtig: "Da ist doch Einiges im Hintergrund gelaufen, in das die österreichische Polizei nicht eingebunden war", meinte etwa LKA-Oberst Hermann Klammer: "Uns wurde weder bestätigt, dass die Täter in Haft sind, noch, dass der Sarg in Kärnten wäre."

Jetzt wird geprüft, ob es wirklich Flick ist

Laut Flick-Sprecher Lohr habe die Familie oin der Angelegenheit jedoch nie an der Polizei vorbei eigene Ermittler mit den Recherchen beauftragt. Immer habe man ganz eng mit dem österreichischen Bundeskriminalamt zusammengearbeitet. "Vielleicht hat das BKA ja die Kollegen vom LKA manchmal einfach nicht eingeschaltet. Aber das ist behördenintern. Mit uns hat das nichts zu tun."

Unterstellungen der Kronen-Zeitung jedenfalls, wonach eine innerfamiliäre Fehde der Grund für den Sargraub sei, seien "bösartig" und entbehrten jeder Grundlage. "Schon lange vor seinem Ableben hat Herr Dr. Flick festgelegt, dass er in Velden beerdigt werden möchte. Das war auch innerhalb der Familie klar und ist von allen akzeptiert worden."

100.000 Euro für den Sarg

Die Wiener Regenbogenpresse hatte zuvor das Gerücht gestreut, eines der Flick-Kinder habe per Raub den Wunsch des Vaters erfüllen wollen "im grünen Herzen der Steiermark begraben zu werden".

100.000 Euro Belohnung hatte die Witwe, Flicks dritte Frau Ingrid, ausgesetzt. Im Juni erst hatte sich die 48-jährige Kärntnerin auf einer "Ärzte-ohne-Grenzen"-Gala in Wien an der Seite ihres neuen Lebensgefährten, des kalifornischen Zahnarztes Peter M. Scheer, gezeigt. In erster Ehe war Friedrich Karl Flick mit Elga Reinbold verheiratet. Aus seiner zweiten Ehe mit Ursula Reuther hatte er zwei Töchter. Im Dezember 1990 heiratete er in dritter Ehe die mehr als 30 Jahre jüngere Ingrid Ragger. Ihre Zwillinge wurden 1999 geboren.

Geschäfte als Rüstungslieferant

Friedrich Karl Flicks Vater Friedrich Flick hatte als Rüstungslieferant einst große Gewinne gemacht und nach dem Zweiten Weltkrieg ein beeindruckendes Firmenkonglomerat aufgebaut. Später war Sohn Friedrich Karl in einen der größten Skandale der Nachkriegsrepublik verwickelt.

Sein Name war zum Synonym für die "gekaufte Republik" geworden. Gegen ihn lief Anfang der achtziger Jahre ein Ermittlungsverfahren, das aber eingestellt wurde. Neben seiner Residenz in München, einer gut gesicherten 600-Quadratmeter-Villa, besaß er auch einen Landsitz in den USA. Seine festungsartige Villa am Wörthersee hatte er sich für 35 Millionen Euro errichtet. Mit seinem auf fünf bis sechs Milliarden Euro geschätzten Vermögen galt er als reichster Österreicher.