Memoiren von Michelle Obama Heiße Küsse und Trumps Versagen

Im Vergleich zu den Wulffs ist dieses Paar eine Weltsensation.

(Foto: AFP)
  • Dass Michelle Obama Donald Trump nicht mag, überrascht nicht. Wie sehr sie ihn verabscheut, zeigen erste Auszüge ihres neuen Buches "Becoming".
  • Im gleichen Buch offenbart sie intime Details aus ihrer Ehe mit Barack Obama.
  • Geplant ist eine große Lese-Tour durch die USA.
Von Thorsten Denkler, Washington

Kommenden Dienstag erscheinen die Memoiren von Michelle Obama, die als erste schwarze First Lady mit Barack Obama ins Weiße Haus einzog. Es war die Zeit vor Trump, und die USA werden sich mit Hilfe dieses Buches nun noch intensiver daran erinnern können.

Die Veröffentlichung von Michelle Obamas Memoiren ist nicht nur ein Buch, es soll eine Riesenshow werden. Zum Auftakt am Dienstag wird die 54-Jährige in ihrer Heimatstadt Chicago im United Center auftreten und mit TV-Star Oprah Winfrey über das Buch sprechen. Vor Tausenden Zuschauern, die zwischen 30 und mehreren Hundert Dollar für die Eintrittskarte bezahlt haben.

"Es reicht!" - "Hinsetzen!" - "Mikro weg!"

US-Präsident Trump müsste nach seinem "historischen Wahlsieg" eigentlich bei bester Laune sein. Stattdessen beschimpft er einen CNN-Reporter. Von Thorsten Denkler mehr ...

Danach folgt eine Buch-Tour durch das halbe Land, in der Obama die großen Arenen von der Ost- bis zur Westküste bespielen wird, unterstützt von Prominenten wie Reese Witherspoon oder Sarah Jessica Parker. Zehn Prozent der Einnahmen will Obama an wohltätige Organisationen spenden.

"Becoming" heißt das Buch. Zu Deutsch etwa: "Wie ich geworden bin, was ich bin." Michelle Obama zeichnet darin ihr Leben nach. Wie sie in Chicago aufgewachsen ist, studiert hat, ihren Mann Barack kennengelernt hat, wie sie miteinander gerungen haben, als er in die Politik ging und immer weiter aufstieg. Bis hinein ins Weiße Haus. Als erster schwarzer Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.

Und wie es war, als ihr bewusst wurde, dass ihr Mann die Präsidentschaft an Donald Trump würde weitergeben müssen. Ihr erster Impuls: "Ich wollte das aufhalten", schreibt sie laut einem Auszug, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Als hätte sie einfach den Schlüssel zum Weißen Haus wegschmeißen wollen, und dann wäre alles wieder gut.

Trump, das wird in dem Buch klar, mag sie nicht nur nicht. Sie verabscheut ihn. Sie hat nicht glauben können, dass am Ende so viele Frauen einen "Frauenfeind" wählen würden. Dass sie lieber ihn als eine Frau wählen, Hillary Clinton, die Obama als "außergewöhnlich qualifizierte Kandidatin" beschreibt.

Ein bisschen peinlich, aber sicher erfolgreich

Als Obama das Video gesehen hat, in dem Trump damit prahlt, jeder Frau ungestraft an die Genitalien fassen zu können, einfach weil er ein Prominenter sei, da habe sich alles in ihr vor Wut zusammengezogen. Sie erinnert an eine TV-Debatte von Trump und Clinton, in der Trump plötzlich ganz dicht hinter Clinton steht als sie redet. Obama glaubt zu wissen, was seine Botschaft damals war. "Ich kann dir wehtun und werde damit davonkommen." Er habe sie kleinmachen wollen, und lächerlich.

Michelle spricht aber auch sehr offen über ihren Mann Barack, seine Stimme, seinen "reichen, geradezu sexy Bariton". Und die "seltsame und rührende" Kombination aus Gelassenheit und Stärke. Als sie sich endlich von ihm habe küssen lassen, da habe sie eine Welle von "Lust, Dankbarkeit, Erfüllung und Wunder" überkommen.

Die Stelle erinnert ein wenig an das Buch "Jenseits des Protokolls" von Bettina Wulff, die sich darin ähnlich intim über ihren bald wohl Ex-Mann und Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff ausgelassen hat. Gut, Letzteres ist inzwischen eine niedersächsische Provinzposse. Und die Obamas sind eine Weltsensation. Ein bisschen peinlich ist es aber doch.

Die Leserschaft wird Michelle Obama das Buch dennoch aus den Händen reißen. Erinnerungen der Gattinnen von US-Präsidenten sind in der Regel große Bestseller. Und Michelle Obama hat bei ihren bisherigen Auftritten meist verstanden, die Menschen für sich und ihre Überzeugungen einzunehmen. Vielleicht, so spekulieren oder hoffen manche, wird sie ja irgendwann doch noch versuchen, die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden.

Obama wirft Trump Politik des Zorns und der Angstmache vor

Umfragen zufolge haben die Demokraten bei den Kongresswahlen gute Chancen, im Repräsentantenhaus 23 zusätzliche Sitze zu gewinnen und damit die Mehrheit zu übernehmen. mehr...