SZ-Kolumne "Bester Dinge":Fluchzeug zu vermieten

Lesezeit: 1 min

SZ-Kolumne "Bester Dinge": undefined
(Foto: Wei Peiquan/Imago/Xinhua)

Was tun, wenn der Amtsvorgänger einem einen Luxusflieger hinterlässt, den man gar nicht haben will? Der mexikanische Präsident hat da eine Idee - oder besser: eine Idee nach der anderen.

Von Christoph Gurk

Eine der erstaunlichsten Eigenschaften des Menschen ist es ja, immer weiterzumachen, allen Rückschlägen zum Trotz. So wurde der Weltraum erobert, wurden Berge bestiegen und Krankheiten besiegt. Kinder lernen Fahrrad fahren, Arbeitnehmer quälen sich durch Videokonferenzen, und dann ist da auch noch die Geschichte mit dem mexikanischen Präsidentenflugzeug: Am Montag erklärte Staatsoberhaupt Andrés Manuel López Obrador, auch AMLO genannt, er habe beschlossen, den Flieger fortan zu vermieten, an Privatleute oder Firmen, für Hochzeiten, Geburtstage und Geschäftsreisen.

Nette Idee, vor allem aber eben auch ein potenzielles Happy End nach endlosen Rück- und Fehlschlägen. Denn tatsächlich versucht AMLO schon länger, den Flieger mit Kingsize-Bett und Laufband loszuwerden. Gekauft worden ist er von seinem Vor-Vorvorgänger, Kosten: mehr als 200 Millionen Dollar. AMLO gibt sich gern bescheiden und schon im Wahlkampf versprach er, keinen Fuß in die Luxusmaschine zu setzen. Kaum im Amt, versuchte er, den Flieger zu verkaufen. Vergeblich. Es folgte eine Lotterie, bei der man Preise im Wert des Flugzeugs gewinnen konnte, aber die Lose verkauften sich nur schleppend, später wurden Gewinner von Narco-Banden bedroht.

Nun also soll das Flugzeug verliehen werden. Interessenten haben sich noch nicht gemeldet, dafür aber Kritiker, die sagen, eine Vermietung sei rechtlich nicht möglich. Doch selbst wenn es diesmal wieder nicht klappt und AMLO am Ende das Flugzeug in Einzelteile zerlegen muss, es einschmilzt oder es zum Taco-Restaurant umfunktioniert: Er wird nicht aufgeben, allen Rückschlägen zum Trotz.

Mehr gute Nachrichten lesen Sie hier.

Zur SZ-Startseite

SZ-Kolumne "Bester Dinge"
:Unterm Asi-Toaster

Auf Helgoland sind gerade Hunderte Kegelrobben zu sehen, die um den besten Liegeplatz am Strand kämpfen. Das seltene Naturschauspiel erinnert an das Gehabe sonnenhungriger Touristen am Mittelmeer.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB