Erdbeben in Mexiko:Wackelkandidat

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Erdbeben in Mexiko: In weiten Teilen Mexikos spürten die Menschen das Beben am Montag.

In weiten Teilen Mexikos spürten die Menschen das Beben am Montag.

(Foto: Stringer/Reuters)

Ein schweres Erdbeben erschüttert Mexiko - und viele fragen sich: Wieso passiert das hier immer am 19. September?

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

Nach einer landesweiten Erdbebenübung am Montag waren viele Menschen in Mexiko-Stadt gerade erst wieder in ihre Häuser zurückgekehrt, da begannen Gebäude und Strommasten tatsächlich zu wackeln. Um kurz nach 13 Uhr Ortszeit am 19. September erschütterte ein schweres Beben das lateinamerikanische Land - an genau dem gleichen Tag, an dem es auch in früheren Jahren schon schwere Beben gegeben hatte. 2017 starben dabei 370 Menschen, 1985 sogar rund 10 000. Komplette Stadtviertel von Mexiko-Stadt wurden damals zerstört, bis heute ist die Katastrophe ein landesweites Trauma, in deren Andenken jedes Jahr in ganz Mexiko eine Erdbebenübung abgehalten wird: Sirenen heulen, Schulkinder und Angestellte räumen Klassenzimmer und Büros und versammeln sich an vorher festgelegten Treffpunkten. So weit, so normal.

Schon 2017 bebte die Erde nur wenige Stunden nach der Probe tatsächlich heftig. Schon damals wunderten sich Menschen über den tragischen Zufall, dass zwei schwere Naturkatastrophen über den Abstand von mehreren Jahrzehnten am gleichen Datum stattfinden.

Und nun bebte die Erde wieder. An diesem 19. September nicht einmal eine Stunde nach der Erdbebenübung. Stärke 7,7, meldete das mexikanische seismologische Institut, das Epizentrum lag im Bundesstaat Michoacán, an der mexikanischen Pazifikküste, in weiten Teilen des Landes aber spürten die Menschen das Beben, und auch in der Hauptstadt Mexiko-Stadt kam es zu Erschütterungen. Videos aus dem Netz zeigen mehrstöckige Gebäude, die stark schwanken. In der Hafenstadt Manzanillo im Bundesstaat Colima kam ein Mensch durch herabstürzende Trümmer ums Leben, dazu gab es landesweit weitere Verletzte.

Viele Menschen in Mexiko sind an Erdbeben leidvoll gewöhnt, nun aber verunsichert: Wie kann es sein, dass das Land immer wieder am 19. September von schweren Erschütterungen heimgesucht wird? Im Netz wird gerätselt, ob der Tag besonders anfällig ist für solche Naturkatastrophen. Und natürlich ist im oftmals tiefgläubigen Mexiko auch die Rede von höheren Mächten, die ihre Hände im Spiel haben könnten.

Am Ende sah sich sogar das seismologische Institut Mexikos gezwungen, der Presse zu erklären, dass es keinerlei wissenschaftliche Gründe gäbe anzunehmen, der 19. September ziehe in irgendeiner Form Erdbeben an. "Das ist alles ein tragischer Zufall", sagte ein Mitarbeiter dem TV-Sender CNN en Español.

Kurz darauf entbrannte dann eine weitere, nicht ganz ernst gemeinte Diskussion im Netz, diesmal darüber, wie wahrscheinlich es statistisch gesehen ist, dass schwere Erdbeben über mehrere Jahrzehnte hinweg immer wieder am gleichen Tag auftreten. Die unterschiedlichen Berechnungen kamen dabei auf Ergebnisse zwischen 0,00075 Prozent und 0,00000024 Prozent. Anders gesagt: Mexiko hat einfach großes Pech gehabt.

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