Mette-Marit von NorwegenDoch keine Märchenkönigin

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König Haakon VIII. und Königin Mette-Marit (Mitte) reagieren ergriffen auf die Anteilnahme der Bevölkerung vor dem Königlichen Schloss in Oslo. Links im Bild: Haakons Schwester Märtha Louise, rechts seine Mutter, Königin Sonja.
König Haakon VIII. und Königin Mette-Marit (Mitte) reagieren ergriffen auf die Anteilnahme der Bevölkerung vor dem Königlichen Schloss in Oslo. Links im Bild: Haakons Schwester Märtha Louise, rechts seine Mutter, Königin Sonja.
JAVAD PARSA/AFP
  • Mette-Marit ist mit 53 Jahren Europas jüngste Königin geworden, nachdem ihr Mann Haakon den norwegischen Thron bestieg.
  • Ihr Sohn Marius Borg Høiby wurde im Sommer 2024 zu vier Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen Gewalt und Vergewaltigung.
  • Mette-Marit unterhielt eine Freundschaft zu Jeffrey Epstein und war in dessen Villa zu Gast, als er bereits verurteilter Sexualstraftäter war.
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Die Norwegerin Mette-Marit ist nun Europas jüngste Königin. Ihre Geschichte an der Seite von Haakon hat vielversprechend begonnen, dann kam Epstein, dann wurde ihr Sohn verurteilt.

Von Michael Neudecker, Kopenhagen

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Eingeheiratete Bürgerliche haben es nicht immer leicht in royalen Familien, fragen Sie mal Meghan Markle. Die Frau des britischen Prinzen Harry wird in den britischen Boulevardmedien – natürlich unter Berufung auf sogenannte „Palast-Insider“ – gerne „Duchess Difficult“ genannt, für Freunde britischer Wortspiele mitunter auch „Me-gain“. Sie ist demnach eine, die nur auf ihren eigenen Vorteil achten soll, schwierig und eingebildet, eine von außen halt. Aber die britische Königsfamilie ist ja auch ein Sonderfall in Europa.

Es gibt in Europa – den Vatikan nicht mitgezählt – elf Staaten mit Monarchien, in denen also König, Großherzog oder Fürst Staatsoberhaupt sind. Nirgends geht es so pompös zu wie in London, und auch Distanz und Unnahbarkeit als Konzept verfolgen etwa die skandinavischen Königshäuser nicht so konsequent wie die Briten. Eine Bürgerliche als Frau des Thronfolgers, das geht, aber eine alleinerziehende Mutter mit Drogenvergangenheit: Das wäre doch eher schwierig in Großbritannien. Nicht so in Norwegen.

Der gerade verstorbene norwegische König Harald V. hatte eine Bürgerliche zur Frau, das war zwar nicht gerade unumstritten damals, Haralds Vater wollte die Hochzeit gar verbieten. Aber „damals“ ist ja auch schon fünfzig Jahre her. Inzwischen hat sich viel geändert, auch in Norwegen. Als Kronprinz Haakon 2001 Mette-Marit Tjessem Høiby aus Kristiansand heiratete, da gab es zwar Bedenken wegen ihrer exzessiven Vergangenheit, einer Zeit der „jugendlichen Rebellion“, wie sie es selbst nannte. Aber, andererseits, es war doch wie im Märchen: der Prinz und die hübsche Blonde, die in einer Sozialwohnung lebte. Die skandinavischen Hofberichterstatter haben für Mette-Marit einen Spitznamen erfunden, den das britische Kollegium natürlich gerne übernommen hat: „Cinderella from Kristiansand“.

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Norwegen verliebte sich damals kollektiv in die royale Patchwork-Familie

Die ganze norwegische Nation verliebte sich bald in die fröhlich lächelnde junge Frau an der Seite des Kronprinzen, und ihren süßen Sohn, den sie in die Ehe mitbrachte. Bei der Hochzeit vor 25 Jahren trug sie ein strahlend weißes Kleid und einen langen Schleier, mit dem sie hinter sich so flächendeckend den Boden wischte, dass der Schleier beim Einmarsch in den Bankettsaal an der Tür hängenblieb, was wiederum Haakon – hach! – dazu veranlasste, nach hinten zu gehen, zum Schleierende, um ihn zu lösen. Die Verzückung im Volk wurde später noch gesteigert, als das Paar unter dem Nachthimmel auf dem Palastbalkon erschien, den kleinen Marius auf dem Arm, vor einer jubelnden Menschenmenge mit Sternwerfern.

Mette-Marit mit ihrem Sohn Marius Borg Høiby und dem angetrauten Haakon am Hochzeitstag 2001.
Mette-Marit mit ihrem Sohn Marius Borg Høiby und dem angetrauten Haakon am Hochzeitstag 2001.
Dave Caulkin/AP

Jetzt ist Haakon „Kong“ und Mette-Marit „Dronning“, sie ist Norwegens neue Königin. Und das Märchen? Ist schon lange zu Ende.

Die Geschichte der mit 53 Jahren jüngsten (angetrauten) Königin Europas beginnt 1973 in Kristiansand, einer Stadt mit 120 000 Einwohnern an der Südküste Norwegens. Der Vater ist Journalist, die Mutter Bankkauffrau. Als Mette-Marit elf ist, lassen sich die Eltern scheiden. Sie verbringt etwas Zeit in Australien, das Studium bricht sie ab. Etwa zwei Jahre ist sie mit einem Mann namens John Ognby zusammen, einem wegen Drogendelikten verurteilten Straftäter. Die Beziehung endet turbulent: Ognby bedroht Mette-Marit mit einem Messer auf der Straße, da ist sie schon schwanger, und zwar von einem Bekannten Ognbys.

Der Bekannte heißt Morten Borg und kommt aus einer wohlhabenden Familie in Oslo – und ist damals immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz. Anfang der Neunzigerjahre wird er wegen Kokainbesitzes verhaftet, später folgen Delikte wie Alkohol am Steuer. Als Marius, der Sohn der beiden, zur Welt kommt, ist der Vater gerade im Gefängnis.

Dann lernt Mette-Marit den Kronprinzen kennen, über gemeinsame Freunde bei einem Musikfestival in Kristiansand, 1999. Schon ein Jahr später ist die Verlobung. Als die beiden heiraten, ist Marius Borg Høiby, der Sohn von Mette-Marit, vier Jahre alt. Haakon, so heißt es, habe ihn angenommen wie sein eigenes Kind. Bis er 18 ist, wohnt er sowohl beim Kronprinzenpaar in dessen Residenz in Skaugum in der Nähe von Oslo, als auch im Appartement des leiblichen Vaters. Er ist bis heute kein offizielles Mitglied des Königshauses, in der Thronfolge ist er irrelevant, im Gegensatz zu seinen beiden Halbgeschwistern Ingrid Alexandra und Sverre Magnus, die nun Rang eins und zwei der Thronfolge nach Haakon einnehmen.

Marius Borg Høiby und seine Mutter Mette-Marit auf einem Foto von 2022.
Marius Borg Høiby und seine Mutter Mette-Marit auf einem Foto von 2022.
Lise Aserud/NTB/dpa

Im Juni 2026 wird Marius Borg Høiby, inzwischen 29 Jahre alt, in Oslo zu vier Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen Gewalt gegen eine Ex-Freundin und zweimaliger Vergewaltigung. Er legt Berufung ein, daher ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Seine noch laufende Untersuchungshaft verbringt er mit Fußfessel unter Hausarrest auf Gut Skaugum.

Wie es so weit kommen konnte, und wie viel die Mutter vom Lebenswandel ihres Sohnes wusste, das beschäftigt die Norweger spätestens seit diesem Prozess. Zumal ja noch etwas anderes hinzukommt: Kurz vor dem Prozess wurde bekannt, dass Mette-Marit einst eine Art Freundschaft zu Jeffrey Epstein unterhielt.

Lange Zeit war Mette-Marit das beliebteste Mitglied der Königsfamilie, doch das ist Geschichte

In den Epstein-Akten fällt ihr Name rund tausendmal. Es gibt E-Mails, die sich Epstein und die spätere Königin schrieben, mit seltsam witzelnden Bemerkungen über die Eignung von Frauen als Partner. Und Mette-Marit war offenbar zu Gast in Epsteins Villa in Palm Beach, als dieser schon ein verurteilter Sexualstraftäter war. In einem Fernsehinterview entschuldigte sich Mette-Marit für ihre Fehleinschätzung, sie habe nicht gewusst, was für ein Typ Epstein in Wahrheit sei. „Natürlich wünschte ich, ihn nie getroffen zu haben“, sagte sie.

Am Montagnachmittag begleitete die Familie den Sarg des verstorbenen Königs zur Schlosskapelle in Oslo. Dafür bekam Marius Høiby eine Ausnahmegenehmigung, er schritt am Sarg mit den anderen. Auch Mette-Marit war dabei, es war ihr erster öffentlicher Auftritt als Königin.

König Haakon (links) trägt den Sarg seines Vaters zusammen mit seinen Kindern und Marius Borg Høiby (hinten rechts).
König Haakon (links) trägt den Sarg seines Vaters zusammen mit seinen Kindern und Marius Borg Høiby (hinten rechts).
Ole Berg-Rusten/Pool NTB via AP

Zuletzt war sie weniger häufig öffentlich zu sehen, wegen ihres gesundheitlichen Zustands. Sie leidet an Lungenfibrose, Mitte Juni bekam sie eine neue Lunge. Auch sonst kann man nicht sagen, dass das Schicksal es immer gut meinte mit ihr: Eines der ersten Opfer von Anders Behring Breivik bei dessen Terroranschlag auf der Insel Utøya war ein Polizist, der dem Massenmörder am 22. Juli 2011 als freiwilliger Wachmann des Feriencamps entgegentrat. Der Mann war der Stiefbruder von Mette-Marit.

Lange Zeit war Mette-Marit das beliebteste Mitglied der norwegischen Königsfamilie, aber inzwischen hat sich das geändert. In Umfragen lehnte bis vor Kurzem fast die Hälfte der Norweger sie als Königin ab. Dass Haakon ihr aber nicht den Titel der Königin verleiht, das war dann doch ausgeschlossen.

Erst vor ein paar Tagen, als das Paar die Silberhochzeit beging, sagte der neue König, es gebe keinen Zweifel an ihrem Zusammenhalt. „Wenn man heiratet, dann gilt das in guten und in schlechten Zeiten“, sagte Haakon. In dem Fall ist das mehr als eine Floskel.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir Marius Borg Høiby auf der einen sowie Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus auf der anderen Seite fälschlicherweise als Stiefgeschwister bezeichnet. Richtig ist, dass sie durch ihre gemeinsame Mutter Mette-Marit Halbgeschwister sind.

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