SZ-Serie "Ein Anruf bei":"Benutzen Sie auf jeden Fall Alufolie!"

Lesezeit: 2 min

SZ-Serie "Ein Anruf bei": Geologe Ludovic Ferrière, 39, arbeitet seit elf Jahren beim Naturhistorischen Museum Wien. Sein Lieblingsstück dort, der Lancé-Meteorit, stammt aus Frankreich, das Bild zeigt ihn mit Hoba in Namibia, dem bislang größten auf der Erde entdeckten Meteorit.

Geologe Ludovic Ferrière, 39, arbeitet seit elf Jahren beim Naturhistorischen Museum Wien. Sein Lieblingsstück dort, der Lancé-Meteorit, stammt aus Frankreich, das Bild zeigt ihn mit Hoba in Namibia, dem bislang größten auf der Erde entdeckten Meteorit.

(Foto: Privat/Ludovic Ferrière)

In Kärnten ist ein 120 Kilogramm schwerer Meteorit eingeschlagen. Und Geologe Ludovic Ferrière bittet die Bevölkerung, ihn zu suchen.

Von Martin Zips

Pünktlich zum weltweiten Asteroidentag am Donnerstag sucht ganz Österreich nach einem astronomischen Kleinkörper. Zumindest wünscht sich das Ludovic Ferrière. In der Nacht auf Freitag soll ein Meteorit irgendwo über Kärnten niedergegangen sein - und der Franzose Ferrière, Geologe und Kurator der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien, hat die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen.

SZ: Monsieur Ferrière, waren Sie denn auch schon in Kärnten und haben gesucht?

Ludovic Ferrière: Natürlich. Gleich am Wochenende bin ich dorthin gefahren und habe den Leuten gesagt, sie sollen bitte alle Fundstücke bei mir abgeben, nicht bei irgendwelchen deutschen Meteoritenjägern, die natürlich auch gleich angereist sind.

Immer diese Deutschen ... Wo genau soll der Meteorit denn gelandet sein?

Irgendwo zwischen den Gemeinden Eis und Draurain im Bezirk Völkermarkt.

Meteoriten, das ist ja auch ein großes Geschäft, nicht wahr?

Ja, Meteoriten sind leider auch ein großes Geschäft - aber sie sind auch sehr wichtig für die Wissenschaft. Wir wissen dank Beobachtungskameras, dass der etwa 120 Kilogramm schwere Himmelskörper am Freitag um 2.10 Uhr in einer Höhe von etwa 90 Kilometern über dem Ort Zanitzen in der Steiermark zu leuchten begann und sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Kilometern pro Sekunde in südliche Richtung begab. Die Feuerkugel war über 83 Kilometer hinweg fünfeinhalb Sekunden lang sichtbar.

Da hat die Steiermark aber Glück gehabt, dass das schwere Ding in Kärnten gelandet ist.

Es wäre furchtbar, wenn private Sammler jetzt schneller wären als wir. Seit vier Jahren bin ich Kurator der drittgrößten Meteoriten-Sammlung und größten Meteoriten-Schau der Welt. In Österreich wurden bisher nur acht Meteoriten gefunden. Zuletzt ein Steinmeteorit im Juli 2021. Der sogenannte Kindberg-Meteorit.

Aber 120 Kilo, die möchte man doch wirklich nicht auf den Kopf bekommen ...

So viel dürfte er nur beim Eintritt in die Atmosphäre gewogen haben. Beim Aufprall waren es dann sicher nur noch ein paar Kilo.

Ach. Was schicken Ihnen die Leute denn jetzt so?

Fotos, manchmal aber auch grüne Steine, Eisenstücke oder das, was ihnen vom Fahrrad gefallen ist. Sogar einen kleinen Eisbären aus Glas hat man mir schon zur Begutachtung geschickt. Zum jüngsten Fall habe ich etwa 100 Mails erhalten, aber noch keine Zeit gehabt, diese auch auszuwerten.

Haben Sie sich schon immer für Himmelskörper interessiert?

Ja, als kleiner Junge schon! Ich bin im Département Loir-et-Cher aufgewachsen. Dort werden die meisten Meteoriten in Frankreich gefunden. Mein Bruder, mit dem ich mein Kinderzimmer teilte, hatte immer ein bisschen Angst, das Zeug, welches ich in unser Regal stellte, könnte vielleicht radioaktiv sein. Ein schrecklicher Angsthase!

Monsieur Ferrière, wie erkennt man einen Meteoriten?

Außen dunkel, innen hell, das könnte ein erstes Kriterium sein. Blasenbildung hingegen deutet oftmals auf Schlacke hin. Und benutzen Sie bitte auf jeden Fall Alufolie, wenn Sie ihn berühren!

Wieso? Ist der radioaktiv?

Nein, nein. Alufolie hilft, damit es keine Verunreinigungen gibt. Mit einem Meteoritenfund betreten Sie das Terrain der Wissenschaft!

Weitere Folgen der SZ-Serie "Ein Anruf bei ..." finden Sie hier.

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