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Verrückte Vergleiche:So gefährlich wie Kokosnüsse im Saarland

(Foto: dpa/AFP/dpa)

Impfen sei "weniger riskant als eine Woche Skiurlaub", behauptet ein Hamburger Nachrichtenportal. Aus diesem Anlass: eine kleine Geschichte über große Metaphern.

Von Martin Zips

"Einmal impfen ist weniger riskant als eine Woche Skiurlaub", titelte an diesem Donnerstag ein beliebtes Hamburger Nachrichtenportal - und fast jeder, der diesen wirklich interessanten Vergleich morgens auf seinem Bildschirm las, bekam ihn den restlichen Tag einfach nicht mehr aus seinem Kopf.

Man fragte sich: Ob Skiurlaub für Hamburger besonders riskant ist? Und warum heißt es: "einmal impfen"? Ist die zweite Impfung womöglich noch gefährlicher? So gefährlich wie ein Bildungsurlaub mit Stöckelschuhen auf der Akropolis? Und wie wahrscheinlich ist es eigentlich, auf der Akropolis von einem Meteoriten erschlagen zu werden? Oder gar von einem Blitz? Denn der Blitz-Vergleich wird ja auch immer wieder gerne bemüht, zum besseren Verständnis. In der Welt hieß es jüngst, es sei wesentlich wahrscheinlicher, vom Blitz erschlagen zu werden, als dass man einen Lotto-Jackpot knackt.

Vergleiche sind die Oasen in der Wüste der menschlichen Orientierungslosigkeit. Die einen schätzen sie als "Maß" der Dinge (Seneca), andere sehen in ihnen "das Ende des Glücks und den Anfang der Unzufriedenheit" (Kierkegaard). Den Esel, so heißt es jedenfalls bei Heinrich Heine, habe Gott nur deshalb erfunden, "damit er dem Menschen zum Vergleich dienen kann". Und den "Babyelefanten", so möchte man hinzufügen, hat die österreichische Regierung auch nur erfunden, damit er den Eseln zum Abstandhalten dienen kann.

Hoffentlich verschluckt sich niemand an einem Kugelschreiber

Hört der Mensch jedenfalls einen Vergleich, so wird er sofort hellhörig. Zum Beispiel, wenn er liest, dass Einsamkeit "so riskant ist wie 15 Zigaretten täglich" (so hieß es kürzlich in einer Studie der FH Bielefeld). Auch wenn er im ORF hört, dass am Tafelberg gerade eine Fläche brennt, die "zweimal so groß ist wie die Wiener Innenstadt". Großartige Metaphern!

Sofort hat der Mensch Bilder im Kopf, die ihm ähnlich erstaunlich erscheinen wie "Schnee in der Wüste" (SZ) oder der plötzliche Tod durch eine Kokosnuss während seines Strandurlaubs (so etwas passiert mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1,6 Millionen angeblich deutlich häufiger als ein tödlicher Haiangriff mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 3,7 Millionen, versichert die University of Florida). Ist Urlaub unter Palmen damit möglicherweise noch riskanter als Skiurlaub unter Hamburgern?

In Kanada übrigens soll es Skigebiete geben, die - noch so ein Vergleich! - "so groß wie das Saarland" sind (so schrieb es zumindest mal das Manager Magazin und das ist ja auch nicht irgendwas). Damit ist das Saarland, wie zum Beispiel die Welt einmal errechnet hat, immerhin 350 000 Fußballfelder groß. Umgerechnet dürften das aber, folgt man einer Analyse des Berliner Tagesspiegels, nur so um die 90 000 Containerschiffe sein. Also Schiffe von jener Größe, die manchmal den Suezkanal verstopfen (und die sind "mehr als doppelt so lang wie der größte Kirchturm der Welt", erklärt uns die FAZ).

Aber das ist schon furchtbar, dass das Saarland nur 90 000 Containerschiffe groß ist. Hoffentlich verschluckt sich in der Enge niemand an einem Kugelschreiber. Denn an einem verschluckten Kugelschreiberteil sterben laut der Zeit bis zu 300 Deutsche im Jahr. Damit dürften Kugelschreiber noch riskanter sein als ein Haiangriff vor dem größten Kirchturm der Welt.

© SZ/moge
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