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Überfall auf Mesut Özil in London:Mit Fäusten gegen Messer

Teamkollegen bei Arsenal London: Mesut Özil (l.) und Sead Kolasinac.

(Foto: AFP)
  • Die beiden Fußballer Mesut Özil und Sead Kolasinac, beide bei Arsenal London unter Vertrag, sind in London überfallen und mit zwei Messern bedroht worden.
  • Vermutlich hatten es die Täter auf den Geländewagen Özils abgesehen. Özil und Kolasinac konnten den Diebstahl jedoch verhindern.
  • In London gibt es immer wieder Raubüberfälle auf offener Straße. Häufig handelt es sich dabei um Taten verfeindeter Gangs.

Raubüberfälle auf offener Straße, bei denen die Täter Mopeds oder Motorräder nutzen und mit Messern bewaffnet sind, gibt es in der britischen Hauptstadt immer wieder. Oft haben es die Gangster auf die Handys telefonierender Fußgänger abgesehen. In diesem Fall jedoch ging es um eine deutlich wertvollere Beute: den Geländewagen von Mesut Özil. Der frühere deutsche Fußball-Nationalspieler ist im Nordwesten Londons nur knapp einem Raubüberfall entkommen. Der 30-Jährige, der für Arsenal London kickt, fuhr am Donnerstagnachmittag in seinem teuren Mercedes-SUV, zusammen mit seinem Teamkollegen und Freund Sead Kolasinac.

Bei einem Stopp bedrohten zwei mit Messern bewaffnete Motorradfahrer das Duo. Vermutlich wollten sie den Wagen stehlen. Doch sie hatten nicht mit dem Mut des 26-jährigen Kolasinac gerechnet. Der Deutsch-Bosnier, der früher für Schalke gespielt hat, stieg aus dem Auto; Bilder einer Überwachungskamera zeigen, wie er die Täter mit bloßen Fäusten angreift.

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Normalerweise ist die wichtigste Frage bei einer Hochzeit: Wie sieht das Kleid aus? Doch bei Mesut Özil und seiner Verlobten Amine Gülse zieht ein prominenter Gast die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Özil und Kolasinac fuhren dann weiter, wurden allerdings mehr als einen Kilometer weit von den Räubern verfolgt. Schließlich hielt der Mittelfeld-Spieler vor einem türkischen Restaurant, in das er mit Kolasinac flüchtete. Angestellte des Restaurants vertrieben die Verbrecher. Fotos in britischen Medien zeigen Özil, wie er vor dem Restaurant mit Polizisten redet. Ein Sprecher von Arsenal London sagte, dass es beiden Spielern gut gehe und sie weiter trainieren würden. Scotland Yard, die Londoner Polizeibehörde, bestätigte, dass es zu solch einem Vorfall gekommen sei, nannte aber wie üblich keine Namen der Beteiligten. Die Täter seien noch nicht gefasst, hieß es.

Vor drei Jahren lieferte sich ein anderer Fußball-Profi schon einmal eine Verfolgungsjagd mit Motorradfahrern. Andy Carroll, damals Stürmer beim Londoner Klub West Ham United, fuhr in seinem Geländewagen nach Hasue, als ihn zwei Motorradfahrer zum Anhalten zwingen wollten. Er gab jedoch Gas und schüttelte die beiden Motorräder schließlich ab. Einer der beiden Täter wurde gefasst und 2017 zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Premierminister Johnson will die Straßen sicherer machen

Dass Özils Angreifer Messer benutzten, bestätigt einen Trend. Im vergangenen Jahr wurden in England und Wales gut 47000 Verbrechen mit Messern oder anderen scharfen Gegenständen begangen, so viele wie nie zuvor und acht Prozent mehr als 2017. Das zeigen Statistiken der Polizeibehörden. Raubüberfälle machen 42 Prozent dieser Vergehen aus, 46 Prozent entfallen auf versuchte und begangene Körperverletzung. In den vergangenen Monaten machte auch eine Reihe von Morden mit Messern Schlagzeilen: In Großstädten wie London tragen offenbar Jugendgangs ihre Bandenkriege mit Stichwaffen aus.

Die Bekämpfung der Kriminalität soll ein wichtiges Thema der neuen Regierung werden. Der konservative Premierminister Boris Johnson sagte, er wolle "unsere Straßen sicherer machen". Dafür möchte der frühere Londoner Bürgermeister 20000 zusätzliche Polizisten einstellen. Außerdem berief er mit Priti Patel eine Innenministerin, die sehr harte Positionen vertritt. Einst forderte sie sogar die Einführung der Todesstrafe, was sie aber inzwischen zurücknahm. Während des innerparteilichen Wahlkampfes für den Posten des Premiers versprach Johnson zudem, es für die Polizei einfacher zu machen, Bürger anzuhalten und auf Waffen und Drogen hin zu untersuchen. Solche Durchsuchungen sind umstritten, da sie erfahrungsgemäß meist Angehörige von Minderheiten treffen.

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