Kriminalität:Anklage gegen Melanie Müller wegen möglichen Hitlergrußes

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Die Partyschlagersängerin Melanie Müller, hier im März dieses Jahres im Europa Park Rust, ist nicht zum ersten Mal mit Vorwürfen rechtsextremen Gedankenguts konfrontiert. Eine Anklage hatte sie deswegen noch nie am Hals - bis jetzt. (Foto: Ervin Monn/Imago/Bildagentur Monn)

Die Staatsanwaltschaft Leipzig wirft der Partysängerin vor, bei einem Konzert die verbotene Geste gezeigt zu haben. Wie reagiert sie selbst auf die Anschuldigungen?

Von Tobias Bug

Erst hebt sie den rechten Ellbogen. Dann grölen Zuschauer "Ost-, Ost-, Ostdeutschland", und die Schlagersängerin Melanie Müller streckt dazu dreimal den rechten Arm über dem Kopf aus. Ein Video dieser Szene von Müllers Konzert in Leipzig am 17. September 2022 gibt es auf Twitter zu sehen. Macht die Frau, die Titel wie "Auf geht's, Deutschland schießt ein Tor", "Malle muss laut" und "Hauptsache knallt" singt, hier den sogenannten Hitlergruß oder ist das nur eine harmlose Motivationsgeste ans Publikum?

Die Leipziger Polizei jedenfalls hatte kurz nach dem Konzert die Ermittlungen aufgenommen, dabei das Video intensiv ausgewertet und im Oktober die Wohnung der Sängerin durchsucht. Anfang Mai hat die Staatsanwaltschaft Leipzig Anklage gegen Müller wegen des "Tatvorwurfs des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen" erhoben, wie jetzt bekannt wurde. Ganz konkret wirft sie ihr laut Pressemitteilung Folgendes vor: "Der Angeschuldigten liegt zur Last, in der Nacht vom 17. auf den 18. September 2022 in Leipzig als Sängerin auf einer Veranstaltung öffentlich von der Bühne aus mehrfach den sogenannten ,Hitlergruß' in Richtung des Publikums gezeigt zu haben."

Die Angeschuldigte, heißt es weiter, habe den Tatvorwurf bestritten. Am Mittwoch verweist Müller, die sich laut ihren Social-Media-Kanälen gerade auf Mallorca aufhält, auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung auf das laufende Verfahren und möchte keine Aussagen machen, fährt dann aber doch fort, dass das Amtsgericht prüfe, ob es das Verfahren überhaupt eröffne. Einen Strafbefehl gebe es nicht. "Ich sehe einem Prozess positiv entgegen, da dieser meine Unschuld in der Sache zutage bringen wird, da es in der Sache schon alleinig am Vorsatz fehlt." Sie habe "mit der rechtsextremen Szene nichts zu tun" und distanziere sich "von rechtsextremem Gedankengut auf das Schärfste".

Diese Worte hat die 34-Jährige, in unterschiedlichen Abstufungen, schon häufig gesagt oder geschrieben: "Ich habe mit Rechtsradikalen oder nationalistischem Gedankengut nichts am Hut", schrieb sie Ende September als Reaktion auf die Kritik nach dem Konzert auf Instagram. Die Vorwürfe hätten sie "physisch und psychisch hart getroffen", schreibt sie unter ein Bild, das sie im Bett liegend mit einer Teetasse und ihrem Hund zeigt.

Fans von RB Leipzig erklären sie auf einem Transparent zur unerwünschten Person

Es gibt aber auch Äußerungen Müllers, die dem zuwiderlaufen. Vor sechs Jahren fiel die Sängerin mit einem Facebook-Posting auf: Bezug nehmend auf einen TV-Beitrag über Altersarmut in Deutschland, schrieb sie im August 2017: "Hauptsache unsere ausländischen Mitbürger haben ein neues Telefon und ewig finanzielle Unterstützung." Menschen, die dringend Asyl bräuchten, sollten es auch bekommen, doch junge Männer, die der Staat nicht beschäftigen könne, nicht. "Was für eine Scheiße passiert in unserem Land! Beschämend und zum Kotzen."

Aussagen wie diese haben der Sängerin, die als Melanie Blümer unweit von Leipzig geboren wurde, schon des Öfteren Ärger eingebracht. Im Stadion von RB Leipzig, der Stadt, in der sie heute lebt, ist sie unerwünscht. "Kein Safespace für Nazis. M. Müller raus aus dem ZS", stand erst Mitte April auf einem Banner, das Fußballfans bei einem Bundesligaspiel zeigten. ZS steht für Zentralstadion, so hieß die Arena früher. Ein geplanter Auftritt Müllers in Dresden im Herbst 2022 fand nicht statt, die Geste in Leipzig kostete sie also mindestens eine Gage.

Das meiste Geld verdiene sie auf der Bühne, sagte Müller im Sommer 2019 in einem SZ-Interview, 2500 bis 2900 Euro pro Auftritt. "Ballermann, Après-Ski, Oktoberfeste. Mich bucht man, wenn man es laut und partylastig möchte." Bis zehn Tage vor der Geburt eines ihrer beiden Kinder stand die Sängerin auf Bühnen und erntete einen Shitstorm in sozialen Medien. 2014 war sie "Dschungelkönigin" in der RTL-Sendung "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!", in der Prominente im australischen Dschungel zusammenleben und Mutproben meistern. Das fast gleiche Show-Konzept mit ähnlichen Teilnehmern, nun aber in einem Kölner Container und in Sat.1, gewann sie 2021: "Promi Big Brother".

Nun könnte sie im Falle eines Schuldspruchs zu einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe verurteilt werden.

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