Saudi-Arabien:1300 Hitzetote bei islamischer Pilgerfahrt

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Sanitäter versorgen einen muslimischen Pilger, der am Fuße des Bergs Arafat in der sengenden Hitze zusammengebrochen ist. (Foto: Fadel Senna /AFP)

Beim diesjährigen Hadsch sind deutlich mehr Menschen durch extreme Temperaturen gestorben als zunächst gedacht. In mehreren Ländern wird nun gegen Reiseveranstalter ermittelt.

Mehr als 1300 Pilger sind in diesem Jahr bei extremer Hitze während der muslimischen Wallfahrt Hadsch in Saudi-Arabien gestorben. Das teilte der saudische Gesundheitsminister Fahad bin Abdurrahman Al-Dschaladschel im staatlichen Fernsehen mit.

Die Temperaturen in Mekka hatten in der vergangenen Woche um die 50 Grad Celsius erreicht. Mehrere Länder hatten den Tod zahlreicher ihrer Bürger während des Hadsch gemeldet. Mehr als 660 der Todesopfer sollen allein aus Ägypten kommen. Saudi-Arabien hatte bisher keine genauen Zahlen an die Öffentlichkeit gegeben. Eines der Haupthindernisse bei der Aufklärung war offenbar, dass viele der Verstorbenen nicht offiziell registriert waren.

Pilger müssen in Saudi-Arabien ein spezielles Visum für den Hadsch beantragen. Viele sollen aber mit Touristenvisa eingereist sein. Nicht registrierte Reisende haben in der Regel keinen Zugang zu den Unterkünften und Transportdiensten, die für Pilger vorgesehen sind. So konnten sie sich auch nicht vor den extremen Temperaturen schützen.

Einige arabische Regierungen haben nun erste Schritte zur Aufklärung eingeleitet. Die Regierung in Kairo hat am Samstag 16 Reiseveranstaltern die Lizenzen entzogen, wie der staatsnahe TV-Sender Al-Kahira News berichtete. Sie sollen illegal Reisen für nicht registrierte Pilger nach Saudi-Arabien organisiert haben.

Ägypten und Jordanien leiten Ermittlungen ein, Tunesiens Präsident feuert einen Minister

Es würden strafrechtliche Ermittlungen gegen die Verantwortlichen eingeleitet, hieß es. „Die Pilger, die während dieser Krise ihr Leben verloren haben, sind größtenteils nicht registriert. Die Reiseunternehmen, die ihre Reisen organisiert haben, haben ihnen keinerlei Dienstleistungen erbracht“, sagte der ägyptische Außenminister Samih Schukri, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Auch in Jordanien wurden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Petra Ermittlungen eingeleitet, um „die Umstände rund um die Reisen jordanischer Bürger nach Saudi-Arabien“ aufzuklären.

Die tunesische Regierung ging einen Schritt weiter: Präsident Kais Saied entließ nach Meldungen über dutzende tote tunesische Pilger seinen Minister für religiöse Angelegenheiten, Brahim Schaibi. Schaibi räumte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur TAP „Nachlässigkeit bei der Aufsicht“ ein. Ein Großteil der Opfer sei mit einem Touristenvisum nach Saudi-Arabien eingereist und nicht als Pilger registriert gewesen.

Indonesien zählte nach Angaben des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten bis Sonntag 234 gestorbene Pilger. Indien meldete den Tod von 98 Bürgern. Das jordanische Außenministerium teilte mit, dass mindestens 75 jordanische Pilger ums Leben gekommen seien. Auch aus Iran, Malaysia, Senegal und Pakistan wurden Tote gemeldet.

Der Hadsch ist die große islamische Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi-Arabien. Sie ist eine der fünf Säulen des Islam und findet nur im Monat Dhul-Hidscha statt, dem letzten Monat des Jahres im islamischen Mondkalender. Etwa 1,8 Millionen Pilger haben in diesem Jahr daran teilgenommen.

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Millionen Muslime aus der ganzen Welt beten derzeit beim Hadsch in Mekka. In der Vergangenheit sind bei dem Großereignis immer wieder Menschen gestorben - durch Terroranschläge oder bei Massenpaniken. In diesem Jahr heißt die größte Gefahr: Hitze.

Von Raphael Geiger

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