Meghan und Harry Ein Baby zum Brexit

Lächelnder Prinz, lächelnde Herzogin. Ein Bild bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im September. Zum Glück ist der Bauch nicht zu sehen. Das hätte sofort Fragen aufgeworfen.

(Foto: imago/i Images)
  • Herzogin Meghan ist schwanger; das Kind kommt im Frühjahr 2019 zur Welt.
  • Es ist ein taktisch kluger Zeitpunkt, den der Palast für die Bekanntgabe der Schwangerschaft gewählt hat. Herzogin und Prinz sind von diesem Montag an 16 Tage lang in Australien, Neuseeland, auf den Fidschi-Inseln und auf Tonga unterwegs.
  • Die britische Boulevardpresse hyperventilierte schon seit der Verlobung im November vergangenen Jahres.
Von Oliver Klasen

Jetzt darf er sich also legitimerweise und vor den Augen der Weltöffentlichkeit wölben, der Bauch der Nation. Um exakt 9.39 Uhr britischer Sommerzeit verkündete der Kensington Palace die Nachricht auf Twitter: Herzogin Meghan ist schwanger, das Kind kommt im Frühjahr 2019 zur Welt.

Es ist eine Nachricht, nach deren Verkündung es nur Gewinner gibt: die werdenden Eltern zuallererst, klar. Die britische Königsfamilie, die nun - neben Prinz George, Prinzessin Charlotte und Prinz Louis - ein weiteres schnuckliges Argument hinzugewinnt, warum die Monarchie auf ewig bestehen sollte. Die britische und internationale Klatschpresse, die nun mit Fakten operieren kann, wo sie vorher halbgare Hinweise vermeintlicher Insider zusammenflicken musste. Und es gewinnt schließlich auch der Bauch von Meghan, denn er kann sich nun frei entfalten, so wie es von der (royalen) Natur vorgesehen ist. In den vergangenen Wochen führte er in Leben im Verborgenen. Er wurde zum Beispiel versteckt unter absichtlich nur halb zugeknöpften, in A-Linie geschnittenen Givenchy-Mänteln oder leicht sackartigen, in kräftigen Farben gehaltenen Kleidern.

Auch am Montag bekamen Babybauch-Beobachter eben jenen Bauch nicht zu Gesicht. Bei der Landung von Meghan und Harry in Australien trug sie zwei violette Plastik-Aktenordner vor der Brust, die sofort Verdacht erregten. Denn warum bitteschön braucht die Herzogin auf ihrer ersten Auslandsreise derart viele Akten und warum schleppt sie diese selbst? Das Boulevardblatt Daily Mail, das die Nachricht von Meghans Schwangerschaft auf seiner Homepage in zeitweise 17 Texten aufbereitete, wartete auch mit einer Rekonstruktion des herzoglichen Stylings in den vergangenen Wochen auf. Die Botschaft: Alle im Unklaren zu lassen, gelang Meghan deshalb, weil sie klug genug war, stets ihre Beine in Szene zu setzen und ihren Look so weniger verhüllend erscheinen zu lassen.

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Es ist ein taktisch kluger Zeitpunkt, den der Palast für die Bekanntgabe der Schwangerschaft gewählt hat. Herzogin und Prinz sind von diesem Montag an 16 Tage lang in Australien, Neuseeland, auf den Fidschi-Inseln und auf Tonga unterwegs. Weit weg also zum Beispiel von der hyperventilierenden britischen Boulevardpresse. Es ist, nach einem kurzen Trip nach Irland vor zwei Monaten, die erste groß angelegte Auslandsreise für Meghan und Harry. Sie werden die Invictus-Games besuchen, eine Benefizveranstaltung für Kriegsversehrte, sie werden im Zoo von Sydney einen Koala streicheln und sie werden auf der größten Sandinsel der Erde Vertreter eines indigenen Volkes treffen, 76 Termine insgesamt. Es wird schöne Bilder eines in die Kamera lächelnden Paares geben, dessen ohnehin großes Glück noch ein Stückchen weiter in Richtung Perfektion gerückt ist. Und die PR-Strategen der Royal Family, sie dürfen sich entspannt zurücklehnen, einen Scotch eingießen und sich selbst sagen, dass sie - wieder einmal - alles richtig gemacht haben.

Schon seit Meghan und Harrys Hochzeit im Mai, ach was, im Grunde schon seit der Verlobung im vergangenen November, hatte das ganze Land über die eine Frage geredet: Wann endlich ist es soweit? Eine Mutterschaft Meghans war für einige Briten fast wichtiger als der Brexit. Doch während es bei der Verhandlungen mit der EU darum geht, ob und wie das Vereinigte Königreich einen wirtschaftlichen Absturz verhindern kann, ist die Frage nach dem Nachwuchs von Meghan und Harry für die Zukunft der Krone nachrangig.

Das neue Kind steht nur an Position sieben der Thronfolge, nach Prinz Charles, nach Prinz William und dessen Kindern George, Charlotte und Louis, nach Prinz Harry. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass es einmal zum britischen Obermonarchen aufsteigt, und es wird folgerichtig auch nicht den Titel "Seine Königliche Hoheit tragen". König George V. hatte das einst verfügt, um die Flut der Titel im britischen Königshaus einzudämmen. Nur die Queen könnte die Regel ändern und für das Erstgeborene von Meghan und Harry eine Ausnahme machen. Ein Sohn von Meghan und Harry wird also vermutlich Graf sein, eine Tochter mit Dame angeredet werden.

Jetzt ist sie in der Öffentlichkeit doch auf ihre Gebährfähigkeit reduziert - wie schade!

Bis das Baby auf der Welt ist, gibt es für Royalisten noch einiges zu diskutieren. Zum Beispiel über die Vorbildrolle, die Meghan einmal zugedacht wurde. Die frühere Schauspielerin afro-amerikanischer Abstammung, feministischen Ideen nicht abgeneigt, sollte die im Kern noch immer stockkonservative britische Monarchie modernisieren. Mehr als ihre Schwägerin, Herzogin Catherine, habe Meghan eine Idee, einen Plan und auch einen eigenen Kopf, um sich im Zweifel gegen überkommene Traditionen zu stellen. Meghan war, lange bevor sie Prinz Harry kennenlernte, gesellschaftlich engagiert, arbeitete bei der Hilfsorganisation "World Vision" mit und war außerdem UN-Botschafterin für Frauenrechte. Über US-Präsident Trump sagte sie einmal, dieser sei "frauenfeindlich". Als die Beziehung zwischen Meghan und Harry öffentlich wurde, hieß es zunächst, das britische Königshaus sei, bei aller Sorge um möglicherweise zu deutliche Äußerungen, gar nicht unglücklich über eine Frau, die einen neuen Stil einbringt.

Und jetzt? Jetzt scheint es in der britischen Öffentlichkeit so, als sei Meghan doch primär auf ihre Gebärfähigkeit reduziert, und der Palast tut wenig, um diesen Eindruck zu zerstreuen. Die Herzogin sieht blendend aus, lächelt stets in die Kamera und hat nach Berechnungen britischer Medien in einem Jahr, wenn sie so weitermacht, eine Million Pfund für Kleider ausgegeben. Das Frauenbild der Fünfziger grüßt freundlich.

In Australien, 17 000 Kilometer entfernt vom Zentrum der britischen Monarchie, sind die Fragen, die die Menschen umtreiben, indes etwas schlichterer Natur. Die Ankündigung, das Kind komme "im Frühjahr" löste dort Verwirrung aus, denn auf der Südhalbkugel ist Frühjahr genau jetzt. Die Suchmaschinen-Eingabe "When is spring?", "Wann ist Frühjahr?", schaffte es am Montag kurzzeitig in die Top Ten der Google-Abfragen.

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