Meeresfund:Eine Legende taucht auf

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Dennoch, so ist in diversen Dokumenten überliefert, wurde Kröhls Konstruktion im Sezessionskrieg nicht in hohen Stückzahlen gefertigt. Sie diente vermutlich nur in wenigen Einsätzen dazu, Unterwasserminen zu legen - wurde dann aber sehr bald von Perlentauchern allein für zivile Zwecke genutzt.

Der Grund war offenbar, dass die Drucksysteme der Explorer nicht ausgereift waren - ein Umstand, der Kröhl und Kollegen sogar das Leben gekostet haben soll: Sie starben vermutlich an der so genannten Dekompressions-Krankheit.

Kein Schutz vor Dekompressionskrankheit

Unter hohem Druck nämlich löst sich im Körpergewebe sehr viel Stickstoff, der beim Aufstieg zur Wasseroberfläche überschüssig im Körper bleibt und ausperlt. "Es wird berichtet, die achtköpfige Mannschaft habe über Grippe-Symptome geklagt", berichtet Blashford-Snell. 1869 ließ man die herrenlose Explorer einfach vor der Küste Panamas im Wasser liegen.

Die technischen Verdienste Kröhls aber werden durch dieses unglückliche Ende kaum geschmälert. Denn die Taucherkrankheit war in den 1860er-Jahren noch nicht bekannt. Vielmehr seien es bis ins 20. Jahrhundert hinein fehlende Ausstiegsmöglichkeiten gewesen, die mancher U-Boot-Besatzung zum Verhängnis wurden, berichtet Jürgen Rohweder von ThyssenKrupp Marine Systems.

Einzigartiges Schleusensystem

Kein U-Boot verfügte über eine Schleuse wie die Explorer: einen Behälter, der Menschen unter Wasser aussetzen und sie dort auch wieder aufnehmen konnte, indem er mit Druckluft leergepumpt wurde. Der erste erfolgreiche deutsche U-Boot-Konstrukteur Wilhelm Bauer musste 1851 bei einer missglückten Tauchfahrt im Kieler Hafen noch warten, bis sein Boot voll Wasser gelaufen war und dann in einer Luftblase durch die Einstiegsluke auftauchen.

Diese letzte Rettungsmöglichkeit wäre im Ernstfall auch der Besatzung der Hunley geblieben: des U-Bootes, das anstelle der Explorer tatsächlich im Sezessionskrieg eingesetzt wurde. Im amerikanischen Warren Lasch Conservation Center in North Charleston soll das legendäre Explorer-Wrack demnächst neben der Hunley ausgestellt werden.

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