SZ-Kolumne "Bester Dinge":Schwammintelligenz

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(Foto: imago stock&people)

Niesen hat seit der Corona-Pandemie nicht den besten Ruf. Den Ofenrohrschwamm juckt das nicht, wie eine neue Studie beweist. Taugt er als Vorbild?

Von Martin Zips

Neben Geburt, Tod und Fortpflanzung gehört der Nies-Reflex zu den wohl größten Geheimnissen unserer herrlichen Natur. Diese wunderbar reinigende Wirkung! Auch viele Mikroorganismen dürften größte Freude daran haben, mal so richtig durch die Luft geschleudert zu werden, um vielleicht woanders fruchtbaren Boden zu finden. Ihretwegen ist das Niesen in Corona-Zeiten freilich in Verruf geraten. Der Mensch begann seine Umwelt mit Masken sowie rasch vor die Nase geführten Gliedmaßen vor austretendem Rotz zu schützen (vor analogem Rotz, den digitalen verbreitet er natürlich weiter).

Nun sorgt eine Studie, die Amsterdamer Biologen im Fachmagazin Current Biology publizierten, in der internationalen Rotz-Szene für Diskussionen. Erstmals konnte ein (im Salzwasser der Karibik beheimateter) Schwamm beim Niesen beobachtet werden. Der nasen- (aber nicht öffnungs-)lose Ofenrohrschwamm, so stellten die Forscher fest, nimmt sich für die großzügige Reinigung seines Innersten gar eine halbe Stunde Zeit. Andere, hungrige Meeresbewohner freuen sich über das, was er so herausbläst. Muss man hier also von Schwammintelligenz sprechen, die es unbedingt nachzuahmen gilt? Taugt die gelebte Zügellosigkeit dieses Meeresgewächses womöglich gar als Argument für der Ellbogen sowie der staatlichen Restriktionen müde Rotz-Bürger? Natürlich nicht.

An dieser Stelle sollte daher mal auf die großartige Erfindung von Drogeriemärkten hingewiesen werden. In ihnen finden selbst noch die ungehobeltsten Ofenrohrschwämme für wirklich jede Lebenslage einen geeigneten Schutz. Die Nutzung von Überziehern ist keine Einschränkung, sondern ein Gewinn an persönlicher Freiheit! Wer es anders sieht, darf nicht nur zum Niesen gerne mal seinen Kopf unter Wasser halten.

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