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Medikamentenskandal um Firma Grünenthal:Contergan-Hersteller entschuldigt sich erstmals bei Opfern

Spätes Schuldeingeständnis: Bei der Einweihung eines Contergan-Denkmals hat der Pharmakonzern Grünenthal die Opfer des Medikamentenskandals erstmals direkt um Verzeihung gebeten. Durch das Schlafmittel waren vor 50 Jahren Tausende Kinder mit Missbildungen geboren worden.

Der frühere Contergan-Hersteller Grünenthal hat sich erstmals bei den Opfern des Arzneimittelskandals entschuldigt. Bei der Einweihungsfeier des ersten Denkmals für die weltweit 10.000 Opfer sagte Grünenthal-Geschäftsführer Harald Stock in Stolberg bei Aachen, es sei bedauerlich, dass Grünenthal nicht viel früher auf die Opfer zugegangen sei. "Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen, von Mensch zu Mensch, gefunden haben. Stattdessen haben wir geschwiegen."

Umstrittenes Contergan-Denkmal enthuellt

In Stolberg bei Aachen, dem Gründungsort des Pharmakonzerns Grünenthal, wurde an diesem Freitag ein Denkmal für die Tausenden Contergangeschädigten eingeweiht. Die Betroffenen kritisierten die Skulptur jedoch als "medienwirksamen Coup".

(Foto: dapd)

Grünenthal hatte zwar schon mehrfach sein Bedauern über die "Tragödie" zum Ausdruck gebracht, sich aber noch nie explizit entschuldigt.

Vor der Präsentation des Denkmals in Stolberg hatte sich der Bundesverband Contergangeschädigter kritisch geäußert: "Für uns ist klar, dass es für die Firma Grünenthal eine günstige PR-Maßnahme ist", sagte eine Sprecherin. Die Kosten in Höhe von 5000 Euro für das Denkmal hatte der Pharmakonzern übernommen. Es gebe genügend Dinge, die das Unternehmen für Contergangeschädigte tun könne. "Stattdessen entscheidet es sich für einen medienwirksamen Coup", monierte die Sprecherin.

Contergan steht für den größten Medikamenten-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Tausende schwangere Frauen hatten vor mehr als 50 Jahren nach der Einnahme des als ungefährlich angepriesenen Schlafmittels Kinder mit Fehlbildungen geboren. Weltweit kamen etwa 10.000 Säuglinge mit schweren Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt. In Deutschland allein waren es etwa 5000.

1961 zog Grünenthal das Medikament zurück. Nach langen Auseinandersetzungen wurde 1971 eine Stiftung eingerichtet und mit 200 Millionen Mark ausgestattet. Das Geld kam jeweils zur Hälfte von Grünenthal und vom Bund. Aus diesem Fonds erhalten die Geschädigten eine Rente. Die etwa 2400 noch in Deutschland lebenden Opfer sind inzwischen 50 Jahre und älter.

Als Folge des Skandals hat die Bundesrepublik Deutschland eines der strengsten Arzneimittelgesetze der Welt.