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"Me Too"-Debatte:Der Fall Ansari spaltet die "Me Too"-Bewegung

Aziz Ansari, Metoo, Feminismus, Weinstein, Sex, Missbrauch

Comedian Aziz Ansari ist für seine Betrachtungen zu Dating in digitalen Zeiten bekannt.

(Foto: AFP)

Ein Blog wirft dem Comedian Aziz Ansari sexuell übergriffiges Verhalten vor. Widerspruch kommt von der "New York Times". Dem Medium, das die "Me Too"-Debatte angestoßen hat.

Es sei die "schlimmste Nacht ihres Lebens" gewesen, sagt Grace über ihr Date mit dem Comedian Aziz Ansari. "Grace" ist ein Pseudonym, die inzwischen 23-Jährige will anonym bleiben. Sie habe Ansari auf einer Party kennen gelernt, wenig später trafen sich beide für ein Date. Dort habe sich Ansari, der sich selbst als aufgeklärter Feminist inszeniert, übergriffig verhalten, verbale und nonverbale Ablehnung ignoriert und immer wieder auf Sex gedrängt.

Nachdem sie ein deutliches "Nein" formuliert hatte, ließ er zwar sofort von ihr ab. Trotzdem habe sie auf der Heimfahrt geweint und sich "missbraucht" gefühlt, sagte Grace zur Bloggerin Katie Way, die den Fall in einem Artikel aufdeckte. In einer SMS habe sie Ansari das später auch mitgeteilt, woraufhin dieser um Entschuldigung bat. Er habe ihre Signale missverstanden. In einem Statement nach Veröffentlichung der Vorwürfe sagte Ansari erneut, die sexuellen Kontakte seien "allen Anhaltspunkten nach" einvernehmlich gewesen.

Kritik an dem Bericht kommt auch von feministischer Seite

Es könnte ein typischer "Me Too"-Fall sein: Ein männlicher Prominenter, der sich über den Willen einer Frau hinwegsetzt und sexuell übergriffig wird. Doch anders als beim Fall Weinstein regt sich auch von feministischer Seite Kritik an den Vorwürfen.

In der New York Times, die die Bewegung mit ihrer Berichterstattung erst anschob, schreibt die Journalistin Bari Weiss: "Aziz Ansari ist schuldig - aber nur dessen, keine Gedanken lesen zu können." Ansari habe zu keinem Zeitpunkt wirkliche Macht über Grace gehabt - ihn auf eine Ebene mit Studiobossen zu stellen, die über die berufliche Zukunft ihrer Opfer entscheiden, banalisiere die "Me Too"-Bewegung. Auch sie als erklärte Feministin könne sehen, wie Ansari die "nonverbalen Hinweise" seines Dates habe missverstehen können.

Die Me-Too-Bewegung differenziert sich

Ansari habe sich egoistisch und aufdringlich verhalten - aber die Lösung für dieses Problem sei nicht, Männer zu lynchen, die nonverbale Gesten missverstehen. Die Lösung müsse sein, dass Frauen verbaler werden und deutlich formulieren, was sie wollen und was nicht. Weiss führt aus, dass es eine feministische Lösung wäre, Männern deutlich zu machen, dass Sex nicht wie in einem Porno gejagt werden müsse - und Frauen zu ermuntern, mutiger, lauter und dreister zu sein.

Nachdem zuvor bereits prominente französische Frauen in einem offenen Brief die Me-Too-Debatte als "Kesseltreiben" bezeichnet hatten, zeigt sich in diesem Fall eine weitere Differenzierung der Debatte. Die Französinnen sahen die sexuelle Freiheit bedroht - diese beinhalte auch Gesten und Signale, die unangenehm sein könnten. Nach heftiger Kritik durch Anhängerinnen der "Me Too"-Bewegung hat sich eine der Unterzeichnerinnen, die Schauspielerin Catherine Deneuve, bei den Opfern sexueller Gewalt entschuldigt.

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